BEWERTEN
 

Peter Thomas

»Peter Scores – The Erotic World Of The Peter Thomas Sound Orchestra«

[Diggler Records / Groove Attack]

Text: Burkhard Welz, Burkhard Welz

Die High Llamas haben es getan, Pulp und Saint Etienne auch. Zuletzt sogar Röyksopp: Sie alle haben Peter Thomas gesampled. Der Magier des Heavy-Easy-Listening hat in den 60ern nicht nur bundesdeutsche Wohnzimmer mit seinen Scores zu Edgar Wallace, Jerry Cotton oder Raumpatrouille Orion beschallt, sondern später auch Musik zu obskuren Filmprojekten seiner damaligen Künstlerfreunde Gunther Sachs oder Zbynek Brynych beigesteuert: erste vorsichtige Erotik und Liebesfilmchen mit Judy Winter, Nadja Tiller oder Uschi Glas in den Hauptrollen. Damals hieß die Bundesrepublik noch Prütanien, zumindest in Hinblick auf das Erotik-Leben des Gros der Bevölkerung, die sich, wenn es mal was Delikates sein sollte, verschämt Oswald Kolle in den berühmt-berüchtigten Bahnhofskinos zu Gemüte führte.

Der eine oder andere dieser Filme fällt sicher in die gleiche Sparte, obwohl mir außer der Simmel-Verfilmung „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ keiner bekannt ist. Das hat natürlich hauptsächlich Trash-Charakter und ist eher für Liebhaber des Genres, die hier aber mit exklusiven Raritäten verwöhnt werden. Trotzdem kann man dazu durchaus andächtig vor der Lava-Lampe sitzen, auch wenn die Schlagergrenze manchmal empfindlich gestreift wird. Ich habe die Siebziger zumindest im kindlichem Erinnerungsspeicher und kaufe mir manchmal aus Sentimentalität das eine oder andere Möbelstück, das sich gut zu dieser Musik macht. Und wo Trash ist, ist auch das nDiggler-Label nicht weit. Hoffe, ihr versteht das als Kompliment. „Engel, die ihre Flügel verbrennen“ mit dem ansprechenden Titelsong macht Lust auf Videoabend im Clubsessel mit Eckes Edelkirsch, Käsehäppchen und ein/zwei Fläschchen Henkel trocken.
Zu den Messer Chups kann und will ich nur soviel sagen: „Vamp Babes“ vermengt Surf Trash, Exotica und diverse Obskuritäten mit seltsam matschigen Elektroniksounds und allerlei, teilweise extrem nervigen Samples aus dem Film- und Musikarchiv. Hinter den Messer Chups stecken die beiden Russen Oleg Gitarkin und Igor Vdowin, die dem Genre „Heavy Listening“ neue Bedeutung verleihen. Nun gibt es sicher auch Liebhaber dieses Sounds. Ich gehöre auch bei diesem neuen Werk definitiv nicht dazu.



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aus Intro #94 (Mai 2002)
 
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