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Adam Green

»Adam Green«

Text: Thomas Venker, Thomas Venker
[3 Kommentare]

Wurde lange gemunkelt, dass da Solo-Alben der grandiosen Moldy Peaches anstehen. Als uns dann zuerst die „Country Fair / Rainbows“ Single ins Office geschickt wurde, nahmen wir ihnen das auch nicht krumm. Warum auch? Hymnen an ein Leben ohne falsches Älterwerden. Die Welt der beiden ist eine unschuldige – bei aller sexuellen und boheme-esken Tiefe, die sie transportieren -, eine rebellische, eine aufregende und eine ergreifende. Kurzum: Da will man teilhaben, da will man dabei sein. Wenn sich das zur Jugendkultur hochstilisieren lässt, wer sind wir, dass wir nicht mindestens den Hauptpart dabei übernehmen wollen? Erst schreiben über die Moldy Peaches, dann kochen mit ihnen und last, but hoffentlich nicht least: XXX.

(Anmerkungen des Verfassers: Ich musste mich an dieser Stelle selbst zensieren. Auch wenn dies meinem Freiheitsbegriff und meiner „Alles ist möglich“-Schreibe, die ich sonst performe, aufs Tiefste widerspricht, war es doch unumgänglich, aus Gründen meiner sozialen Stellung). Überraschenderweise scheinen die Moldy Peaches für die Single mit einer richtigen Band zusammengearbeitet zu haben. Von wegen forever Lo-Fi. Besonders beim ersten Stück hört man die neue Mehrköpfigkeit sofort heraus. Der Sound wirkt viel dichter, vehementer. Beim zweiten Song setzen sie auf einen poppigen Klang. Das Schöne an diesem: Man hört die Worte besonders gut. Und die haben es bei ihnen ja in sich. Erst erfahren wir, dass man einen Schwanz haben muss, um ihn in den Mund zu stecken. Dann, dass man reiche Kinder überfallen muss, wenn man die Kleider von reichen Kindern tragen will. Und danach trällern die beiden so herrlich unbekümmert, wie wir das von ihnen kennen. Er/Sie soll gefälligst ihn/sie ficken wollen (ein sehr schöner Kunstgriff der beiden, dass sie durch den gemeinsamen Gesang Absender und Adressat beliebig lesbar machen – ein generelles Phänomen in ihren Songs, über das wir mal eine längere Abhandlung bringen sollten – ähm, wenn es denn jemanden interessiert. Interessierte sind hiermit aufgefordert eine Mail unter dem Stichwort GENDER PEACHES an venker@intro.de zu schicken), sowie die Pussy lecken und die Titten saugen wollen - da weiß man dann, wer wen anspricht, zumindest bei normalen körperlichen Gegebenheiten. Sehr schön, wenn sich Partner über ihre Wünsche so klar und deutlich austauschen. Kommt es schon nicht zu Problemen, von wegen unterdrückter Bedürfnisse. Klar, dass nach soviel Analyse der simplen Pärchenstufe auf der nächsten Stufe Großes kommen muss, beispielsweise eine kleine soziologische Studie über unsere heutige Jugend. Das Problem mit den Kindern heute sei, dass sie immer nur flach gelegt werden wollen, statt so nette Spiele wie den Schwanz in den Mund zu stecken zu spielen. Das geht so ewig weiter. Und nachdem die letzten Worte erklungen sind, fragt man sich nur, warum diese beiden nicht mal einen Film wie „American pie“ inszenieren dürfen. Vielleicht mit Karen Black hinter der Kamera. Was die letzten Worte sind? „After this you wanna go shit in a condome?“
Wow. Warum ich auch immer so viel schreiben muss? Ob das wohl daran liegt, dass ich keine Freunde habe? Wer will mir das schon ins Gesicht sagen, und wer wäre ich, dass ich es mir selbst erzählen will? Da schreib ich doch lieber einfach weiter, über Adam Greens Soloalbum. Denn der Bub ist vor dem Mädchen fertig geworden - Kimya Dawsons Alben soll aber demnächst folgen.
Die ersten Worte bereiten uns gleich vor, was da kommen wird: „My Mouth is a liar“. Damit es gleich gesagt ist, hier wird nicht belangbar kommuniziert. Alles, was ich sage, alles, was ich mache, du kannst dir nie sicher sein, ob es im Ernst oder Spaß meine Lippen überquert. Und so richtig sicher bin ich mir ja nie, was ich denn überhaupt so raushöre aus dem ersten Stück „Apples, I´m home“. Sind es meine kleinen, miesen Fantasien, die hören wollen, dass der Penis auseinanderbricht, keiner einen härteren wie der Protagonist hat und er ihr zeigt, wo es geografisch am Körper langgeht – oder singt Adam das wirklich? Alles, was ich oben schon so geschrieben habe, lässt den zweiten Schluss zu, und natürlich der Fakt, dass ich reinen Geistes bin. Die Homepage der beiden schweigt jedenfalls dazu, denn sie ist heruntergefahren – zumindest jetzt. www.moldypeaches.com. Dunkel. Also weiter raten. Und andauernde zurückspulen, um mal so zu tun, als ob ich hier Old-School-mäßig am Tapedeck sitze.
In „My shadow tags on behind“ lässt Adam den Herrscher heraushängen und gibt einem Kid hart und deutlich zu verstehen, dass es sich daran gewöhnen muss, dass alles nur eine reine Verschwendung ist. Eine fast schon anmutig schöne Vorstellung, sich bereits im Teenageralter mit der Unmöglichkeit einer glücklichen Existenz zu arrangieren. Du wirst immer verlieren. In der Liebe wie im Sport – höchstens du bist Fan von Bayern München und es ist nicht gerade das eine Jahr im Jahrzehnt, in dem sie mal nicht einen Titel holen. Gott, wie hasse ich meinen Vate:. Warum wurde ich zum Fan des VFB Stuttgart sozialisiert? Aber zurück zum Jungen. Dieser erfährt, dass die Welt nie dafür geschaffen war, die Brooklyn Bridge zu sein. Und dass Computer alle coolen Sachen verdrängt haben. Und dann „Bartholemew“. Ich kann nicht mehr anders. Ich knie vor der Redaktionsanlage – hoffentlich kommt jetzt niemand rein. Tränen auf den Backen, kenne ich nur noch einen Wunsch: „Don´t stop singing, Adam und Leah Green“ – ob seine Schwester und/oder Freundin, wer weiß das schon? Aber ich möchte wetten, es ist die Schwester, da soviel Traurigkeit doch nicht zwischen Partnern transportiert werden kann – wo sonst doch nur Begierde und Spaß in the air sind – und das genial gebrochen in einem Lo-Fi-Folk-Kontext, dass man nur noch lachen und heulen in einem will. Wie schön kann Liebe sein! Was für ein Song! Das Stück lebt durch seine Dialog-Arrangements auf – und erinnert an die besten Songs auf dem Moldy Peaches Album. Tja, und am Ende bleibt nur noch eins: Die Platte des Monats, ja des... Ach, wer will das schon wagen, wo doch der nächste Hit bereits in der Warteschleife ist.



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