BEWERTEN
 

Brandy

»Full Moon«

[Atlantic / Warner / VÖ: 25.02.2002 ]

Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann

Mit ihrem neuen Album setzt Brandy auf Reife, auf den Übergang vom Girl-Star zur grown R'n'B-Diva wie einst Aaliyah vor ihrem tödlichen Unglück letztes Jahr. Die gerade 23-Jährige hat aufgehört, TV-Moesha zu sein, sie hat ihre Filmkarriere auf Eis gelegt, ihren Produzenten Robert A. Smith geheiratet, die Freuden des Veganismus kennengelernt und sich für ihre Platte drei Jahre Zeit genommen. Full Moon, Full Circle. Affirmative Selbstfindung mit autobiografischen Texten über Liebe, Schmerz und Sex. Presseseitig wird vollmundig erklärt, \"Full Moon\" markiere eine Abkehrung vom Oberflächen-Pop zu Sci-Fi-Beats und sexy Aggressivität.

Ich vermisse hier aber nicht nur die fordernde Aggression, die die Kolleginnen von Destiny's Child so gut können, sondern wundere mich auch über die Ankündigung, die zum Großteil von Producer-Star Rodney Jerkins (Michael Jackson et al) gefertigten 17 Tracks könnten das Gesicht von R'n'B radikal verändern. Denn auch wenn \"Full Moon\" nach drei Runden im CD-Player noch überhaupt nicht nervt, gibt es da nichts, was nach deiner Aufmerksamkeit greifen würde. Die Vorzeige-Single \"What About Us?\" bringt zwar tatsächlich einen angenehmen Kontrast zwischen verschleppten, rhythmisch versetzten Off-Beats, kühler Gesangs-Hookline und überbordenden Lead-Vocals, ob das aber reicht \"to change the game\"? Das ganze Album wirkt generell merkwürdig verhalten (ist das ein Zeichen von Reife oder wie?), auch wenn Tempowechsel, hämmernde Beats, übereinandergeschichtete Gesangsspuren von schmachtend bis kühl und das übliche orchestrale Brimborium offensichtlich für Spannung sorgen sollen. Aber Brandys Stimme kickt nirgends richtig los und bleibt immer irgendwie im Schatten, ohne eigene Charakteristika zu entfalten, die die Platte über die größtenteils gefälligen Arrangments hinweg interessant gemacht hätte. Als großer Turn-off zum Schluss noch ein Cover des unsäglichen Collins’schen \"Another Day In Paradise\", aber man kann ja schnell abschalten. Und irgendwie verzeihe ich Brandy allein wegen ihrem 98er Hit \"The Boy Is Mine\" im Duett mit Kollegin/Konkurrentin Monica wahrscheinlich fast alles.



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