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Lambchop

»Is a woman«

[Labels / Virgin / VÖ: 18.02.2002 ]

Text: Sven Opitz, Sven Opitz

Lammkeule ist eine Frau, hm. Wer das zu verstehen sucht, wird sich vermutlich verfransen. So genau weiß man es nämlich nie, wie Kurt Wagner, der Kopf hinter dem mindestens zehnköpfigen Ensemble mit Namen Lambchop, in seiner Welt die Grenzen zwischen Ironie und Ernst, zwischen Metaphysik und Trivialphilosophie verlaufen lässt. „Is A Woman“ heißt zudem noch das letzte Stück des Albums. Es beginnt sehr ruhig, formuliert eine wunderschöne Folge von Klavierakkorden mit den richtigen Pausen an den richtigen Stellen, die bald durch zurückhaltende Gitarren und ein Vibrafon ergänzt werden. Bis das Ganze nach zweieinhalb Minuten eine Wendung nimmt, indem die getragene Schwere einem Reggae-Arrangement weicht.

Dieser Wechsel ist tatsächlich nicht in Worte zu fassen, ohne absurd zu klingen. Aber musikalisch klingt er überhaupt nicht absurd und auch nicht bemüht. „Is A Woman“ verbreitet am Ende des Albums eher ein versöhnliches Schimmern, das auf die vorangegangene Stunde Musik in seiner zufriedenen Gelassenheit zurückstrahlt. Waren Lambchop über die letzten Veröffentlichungen von verschrobenen Country-Adaptionen (schließlich kommt man aus Nashville, Tennessee) in Richtung Southern Soul gelangt, tragen nun keine anmutigen Streicherlinien mehr die Songs, und auch die von Curtis Mayfield übernommene Kopfstimme hat Kurt Wagner den Göttern zurückgegeben. Geblieben ist, vielleicht stärker denn je, die Kunst, Stücke in orchestralen Dimensionen zu spielen, die dennoch eine unglaubliche Intimität ausstrahlen. In ihrer barocken Fülle klingt die Musik nun geradezu reduziert. Man könnte dieses neue Lambchop-Album deshalb als Aufforderung zum genauen Hinhören betrachten, so fein austariert sind die Arrangements, so wunderbar konstruiert ist der Verlauf der einzelnen Stücke. Und über allem leuchtet in kräftigen Herbsttönen Wagners Gesang. Denn auch wenn die Stimme uns inhaltlich ein idiosynkratisches Weltbild unterbreitet; in ihrer Klangfarbe beschwört sie die Behaglichkeit, das Geheimnisvolle und die Vertrautheit. Auf ganz zurückhaltende Weise. Lammkeule ist also in erster Linie eine Stimme, wenn überhaupt.



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