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Electrelane

»Rock it to the moon«

[Let’s Rock / Pias / Connected / VÖ: 21.10.2005 ]

Text: Sven Opitz, Sven Opitz

Der hidden track ist an sich eine ärgerliche Sache. Er soll seine Hörer an der Nase herumführen und hat dabei letztlich selbst oft qualitativ nicht viel zu bieten. Die Haltung des hidden track ist ironisch bis geheimnistuerisch, und am Ende wird man meist mit Daten zugemüllt, die man so gar nicht wollte. Kurzum, Menschen, deren Musik man mag, tun so etwas nicht. Also auch nicht Electrelane aus Bristol. Das sind vier junge Frauen, die passend zur Band das eigene Label Let’s Rock gegründet haben, um die größtmögliche Kontrolle über ihre Arbeit zu behalten. Dann widerspricht nämlich auch niemand, wenn man wie Schlagzeugerin Emma Gaze das eigene Coverartwork gestalten möchte.

Es zeigt ein buntes Kinderkarussell vor einem grauen Meereshorizont, zwei wunderschöne Illustrationen der Band im Innenteil und enthält einen Katalog wichtiger Frauen von Judith Butler über Yoko Ono zu Joni Mitchell, denen das Album gewidmet ist. Musikalisch scheinen Electrelane dagegen vor allem den rauhen Tagen von Stereolab nachzutrauern: breite Farfisa-Orgelwände überlagern sich mit Gitarrenfeedbacks zu Minimalmelodien, wobei die konstante Rhythmik ihre Beharrlichkeit unter Beweis stellt. Das Strukturmodell des Songs wird dabei abgelegt: Nahezu instrumental durchmessen Electrelane den glatten Raum der Klänge, in dem sich jegliche Orientierungslinien permanent verschieben und somit auflösen. „Our songs have direction, but they are not searching for a point of complete resolution, because this is not the way that we see things“, sagt Keyboarderin Varity Susman. Die Musik übergibt sich ihrer eigenen treibenden Bewegung, bis die CD an ihr Ende gelangt ist. Denkt man. Denn plötzlich wird man angesprochen, ganz persönlich aus der Stille heraus. Eine sympathisch neben den Tönen liegende Stimme singt über ein paar einfache Akkorde auf der Akustikgitarre ein Lied, in dem es ganz einfach um Liebe geht. Und man beginnt zu ahnen, dass dieser hidden track anders ist und seine Berechtigung hat. Hier wird nichts mehr verwischt, und auch das scheinbar Uneindeutige des regulären Albums soll nicht noch mal unterstrichen sein. Im Gegenteil spricht der hidden track das deutlich aus, was vorher in Sound, Gesten und Ästhetik eigentlich schon klar war. Er ist eine Art Fußnote, die der unumwundenen Markierung des eigenen Ortes dient. Früher hätte man Indierock dazu gesagt.



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