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2Raumwohnung

»Kommt zusammen - Remixe«

[Goldrush / BMG / VÖ: 07.10.1988 ]

Text: Anne Otto, Anne Otto
[3 Kommentare]

Das Berliner Duo 2raumwohnung hat ein variationsreiches Remixalbum seines Debüts “Kommt Zusammen” herausgebracht. Die eigenen tanzigen, glücklich machenden Lieder werden noch einmal neu mit den Mitteln moderner Computer gespiegelt, gebrochen, neu sortiert und ausgewertet. Teilweise ändert sich wenig (“Wir Trafen Uns In Einem Garten”). Einige Stücke sind raviger arrangiert, “Lachen Und Weinen” ist ein glaubwürdiger Dub-Club-Mix geworden. Die Stücke, die im Original von Inga Humpes Stimme-und-Text-Mischung getragen werden und in die launige Gemütlichkeit einer Zweiraumwohnung oder einer Privatparty passen, geraten durch die Remixer zurück in die Anonymität eines in Kategorien zu besprechenden Musikproduktes, distanzieren sich von ihren Machern und gehen selbstverständlich in Richtung einer urbanen Clubkultur, der keiner was kann.

Eskortiert von der eigenen Community und deren Sounds.
VÖ: 28.01.

Bei Sonny Jim ist die Lage ganz anders. Das Produkt ist beängstigend unantastbar. Bei den Melodien denkt man ohne zu zögern an Blur, gleichzeitig muss die Band ein Computer-Equipment vergleichbar dem von Air oder Depeche Mode behandeln können, um so einen Bausch und Bogen von Sounds zu erzeugen. Die Band stammt aus der Nähe von Regensburg und veröffentlicht mit “Im Schatten Junger Mädchenblüte” ihr Debüt. Dieses komplizierte Zitat von Marcel Proust macht bei näherem Hören Sinn. Im Schatten der Großstädte haben die jungen Männer eine seltsam perfekte eigene Platte gemacht. Das geht so: Sie zitieren sich von Pink Floyd in die Bastlerelektronik, von Console zu Pavement, von der Regierung zu Underworld - und nennen es Liebeslieder! Haben im großen See der Lieder gefischt und zusammengestellt, was sie im Laufe ihrer Jugend, wahrscheinlich gebeugt über ein kleines Radio, empfangen haben. Haben lange gelauscht, hatten viel Zeit, zusammen mit ihren Freunden. Sie zitieren ihre Stars und klingen dabei nicht aufgeregt. Drehen an der schönsten Stelle den Regler aus dem Ruder und lassen Harmonien zerfließen. Musik von Leuten, die in einem ungestörten Biotop ein bezaubernd eigenes Verständnis von Musik herausarbeiten konnten. Es ist wie immer, wenn man einen Haufen von Jungen kennenlernt, die schon lange in einer Jungen-Schattenwelt in der Provinz zusammen Musik machen - man fragt sich, warum die nicht berühmt sind.
VÖ: 08.02.



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  • pimmeljim 24.01.2002 | 17:34:17

    Liebe Anne Otto,
    leider erfüllt Deine Plattenkritik nicht meine (und bestimmt auch nicht die vieler anderer Intro-Leser)Erwartungshaltung an eine Plattenkritik.
    Zum einen ist doch gerade bei einem Remix-Album von höchstem Interesse, wer dort überhaupt remixed hat (die Band selber?). Zum anderen versuche ich als Plattenkäufer aufgrund einer persönlichen Bewertung des Autors auf die Qualität der Platte zu schließen, obwohl dies natürlich eine subjektive Angelegenheit ist. Mit statements wie:
    "glaubwürdiger Dub", "geraten durch die Remixer zurück in die Anonymität eines in Kategorien zu besprechenden Musikproduktes", "gehen selbstverständlich in Richtung einer urbanen Clubkultur, der keiner was kann"
    kann ich allerdings wirklich nicht viel anfangen. Für mich klingt "glaubwürdiger Dub" wie gewollt und nicht gekonnt, ich könnte aber auch voll daneben klingen. Fazit: Eine präzisere Bewertung könnte mich eher zum Reinhören bewegen.
    Lieben Gruß,
    Mark.

  • User: hypnom
  • hypnom 28.02.2002 | 02:50:13

    alles fette midtempo-mover ohne ausfälle, wenn auch recht standardisiertes unterlegen der originalvocals mit den trademark-patterns des jeweiligen remixers. da sich die meisten stilistisch nahestehen, wirkt das ganze wahlweise angenehm geschlossen oder ermüdend gleichförmig. nur Sun Electric tanzen mit ihrem dubby mix aus der straighten reihe, wenn auch ohne dabei herausragend zu sein.
    die originale werden so für den clubkontext zurechtformatiert und um manches ihrer eigenheiten beraubt.. oder eben angemessen für den floor aufgepeppt. zwingend - nein, aber cool groovin' - allemal.

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