BEWERTEN
 

Ken Ishi

»Flatspin«

[Exceptional / Zomba]

Text: Markus Koch, Markus Koch

Der König des Manga-Techno ist wieder da. Es gibt wohl kaum Techno-Musiker, die schon eine derartige Vielfalt an Styles gekickt haben wie dieser Mann aus Japan. Auch auf “Flatspin” sprudelt er wieder vor Hyperaktivität. Ein paar Ätz-Sounds hier, ein wenig Streicher und komplizierte Breaks dort – und schon sind wir im Flugzeug von Tokio nach Detroit gefangen und begegnen kurz nach Ankunft Akira gemeinsam mit Jeff Mills in einer Cyber-Disco. Das Ganze ist natürlich selten entspannt oder gar deep – wer geschmäcklerisch-samtiges Clubbing erwartet, liegt falsch. Der kleine Quirl ist ein Schwertkämpfer, in der Lage, alles und jeden in Sekundenbruchteilen von hinten, vorn und der Seite aufzuschlitzen.

Danach legt er deine Eingeweide auf den Plattenteller, um genüsslich damit zu scratchen. Schon ziemlich anstrengend manchmal, was die Japaner so alles draufhaben. Mit “Iceblink” ist ein potentieller Hit vertreten, Rave-Euphorie mit Streichern inkl. Manchmal wird Kenny Boy auch ganz ruhig wie z. B. bei “Mirage”. Dann kommt schöner Ambient heraus, eine Stimmung, der er sich vielleicht öfters mal hingeben sollte.
VÖ: 22.10.01

Apropos Ambient: Mit Waki kommt die Platte für den Winter, für das Frühjahr, für den Sommer, den Herbst. Musik, die du beim Geschirrspülen ebenso dankbar aufsaugst wie beim Essen oder Akt. Wahrer Ambient aus Japan, Ambient, der es tatsächlich schafft, Stimmung zu erzeugen und dich zum Nachdenken anzuregen. Das hört sich an wie ein Promotext? Scheißegal, das hier soll Promotion sein. Du bist ganz weit weg und ganz nah dran. Irgendwo verirrt im Universum deiner Seele, aber du spürst, gleich weißt du über alles Bescheid. Dann kannst du sterben oder dich mit einem Lächeln zur Nacht betten. Das hier fließt langsam rein, breitet sich langsam aus, verweilt majestätisch und küsst dir zum Abschied sanft die Stirn. So verliert der nächste Tag seinen Schrecken - vielleicht wird ja sogar die Sonne mal wieder scheinen. Musik als niemals endender Kirschblütenhain. Als Anspieltipp sei “Kobe” genannt, bei dem man denken mag, Gott – für die Gläubigen unter unseren Lesern gesprochen - strecke seine Hand aus. Schöner bist du nie berührt worden.



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