BEWERTEN
 

Michael Jackson

»Invincible«

[Epic / Sony / VÖ: 29.10.2001 ]

Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann
[4 Kommentare]

Einen geilen neuen Ansatz zum alten Thema hatte sich Kollege Volkmann hier gewünscht. Nur: Was kann man noch Überraschendes über einen Künstler sagen, dessen eher öffentliches als privates Leben in allen gruseligen Facetten jahrelang gierigst durch die Medienmangel gedreht worden ist? Dass sich die Begutachtung des King of Pop/Flop, haha, mittlerweile auf die Freak-Show-Aspekte beschränkt, also auf sein, kompakt gesagt, verzweifeltes Bestreben, sich in eine gorgeous white female zu verwandeln, gähn, lockt auch keinen mehr hinter dem Ofen hervor - der ORF z. B. brachte ganz unironisch und kommentarlos einen Jacko-Videoabend zu Halloween. Ach ja, und dann gab’s da ja noch die neue Platte, um die so viel PR-Wirbel gemacht wurde - Uhren bei Virgin, die die Tage bis zum Erscheinen des Albums zählen und so -, was mich echt ein bisschen traurig gemacht hat, weil hier krampfhaft optimistisch so getan wurde, als würde wirklich deswegen noch jemand aus den Schlappen kippen.

Soll ja soviel gekostet haben wie ein halber amerikanischer Bundesstaat, die Produktion, und Produzent Rodney Jerkins verfrisst laut Spiegel täglich 125$ bei McDonald’s, und ... ach ja, die Musik. Also, so schlecht ist die Platte gar nicht. Michael muss klarerweise aktuellen Tendenzen hinterherwetzen, um sich neben seinem Popfossil-Status ein Quentchen zeitgemäße Relevanz zu sichern, und so kommt das Ganze moderat R’n’B-ig mit der korrekten Dosis an Splitterbeats, sexy Bässen und süßen Streichern, wenn auch flächenweise steril und ein bisschen anämisch dahergeschwappt, aber der teuer kalkulierte Hitfaktor setzt sich letztendlich bei fast allen Songs durch. Die vielen gepressten Jacko-Schreie und die obligaten kleinen Kiekser passen nicht wirklich dazu, aber um seiner Trademark willen nimmt man sie dann doch einigermaßen widerspruchslos in Kauf - nur das genretypische Rumgesülze mit Unterstützung von Babyface, R. Kelly und “Wenn die Frauen meine Gitarre hören, werden ihre Brustwarzen steif”-Santana nervt, bedient aber ganz gut die “Heal the world”-Fraktion. Interessant an dieser Platte ist ja vor allem, Michael vor dem Problem stehen zu sehen, dass er sich, nachdem er vor allem auf seinen späteren Veröffentlichungen den Status eines geschlechts- und “farb”losen Wesens angestrebt und damit dezidiert unethnic geklungen hat, im Sog des R’n’B-Siegeszugs zurück in die schwarze (Musik-) Community einschreiben muss, was besonders beim Anfangsdialog von “You Rock My World”, bei dem sein blanker Akzent sich in krassester Weise von Chris Tuckers “authentischem” African/American Vernacular abhebt, ziemlich grotesk wirkt. Dafür beschert uns diese Rück(?)besinnung einigermaßen hardsteppende Nummern wie “2000 Watts”, das auch von N’Sync kommen könnte, die wie alle Boygroups ja auch ordentlich vom Rhythm’n’Blues-Töpfchen schmarotzt haben, oder einen aus dem Jenseits rappenden Biggie in der Siegesbeschwörung “Unbreakable”. So, und jetzt ist dann aber mal Ruhe im Karton.



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  • User: MichaelJackson
  • MichaelJackson 11.01.2002 | 07:30:19

    King of Flop? You are impertinent, Guys!

  • User: babsie
  • babsie 28.01.2002 | 10:29:50
    ich bin nicht kerstin grether.
    irgendwie wirkt das projekt "michael jackson" immer gruseliger. ist er ein glücklicher mensch? kann man diesem menschen helfen? was für ein leben er führte... irgendwie ohne jegliche ironie traurig zu nennen.

  • User: Gandalf
  • Gandalf 28.01.2002 | 10:48:53
    Graue Eminenz
    Ich frage mich, ob der alles noch einmal so machen würde , wenn man ihn in die Jackson 5 Zeiten zurückbringt.

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