BEWERTEN
 

Ras Kass

»Van Gogh«

[Priority / Virgin / VÖ: 23.10.2001 ]

Text: Jan Wölffel, Jan Wölffel

“Extraterrestrial poet / my pin stroke is grotesque / rugged nigga / embracing to any’s fools flesh / so let’s paint a thousand words worth the picture / ... / spit yours, not just kick words / spits swords / ... / I breathe the total black experience on a track / where it used to be hot what the mc said / now hiphop doesn’t respect you unless you’re platinum or dead / I’m Van Gogh!” Die Qualität eines MCs mag sich über zitierte Verse erschließen, für Ras Kass als Ganzes würde jedoch der Rezensionsrahmen nicht ausreichen. Sein Stil variiert von Track zu Track und kreuzt souverän von “I got a mouth full of pimp shit” (“Kiss U”) über “drink something, smoke something” (“Hot Game”) bis hin zu “screaming free Mumia” (“What You Want”).

Nur: Talent garantiert zwar Respekt und Anerkennung, die Schäfchen ins Trockene bringt es zumeist nicht. Anders ausgedrückt: Was wäre Guru ohne Premier, Rakim ohne Eric B., Black Moon ohne Evil D oder umgekehrt Puff Daddy ohne Notourius B.I.G? Ohne ein festes Produzententeam im Rücken, macht Ras Kass aus der Not eine Tugend und geht auf seinem dritten Album erneut andere Wege. “Hot Game” mit einem vorzüglichen Sunshine-Anderson–Sample (“Heard It All Before”) und herzlichen Zeilen wie “you all thuggish bands really owe 2Pac & The Outlaws 80% of your publishing” ist schon mal ein schmissiger Auftakt. “Back Up” und “4 Much” (feat. Tash) erweisen sich als trockenes, funkiges Clubfutter, “N.B.A” (feat. Golden State Warriors’ Xzibit und Saafir), “Is This Love” und “The Root Of Evil” sind düster-dicke schnaufende Westcoast-Bretter, wohingegen das von Alchemist produzierte “Kiss U” (mit einer Art Kinderchor) sowie “Kick Rocks” leicht psychedelisch klingen und “What U Want” mit souligen 70er-Jahre-Sounds recht smooth geraten ist. Ziemlich weit aus dem Fenster lehnen sich das via Drum’n’Bass hochgetunte und lyrisch bitterböse “Sex”, das mit schrägen Electro-Sounds und einem merkwürdigen “Western-Break” ausgestattete “One Night” und schließlich das von Störgeräuschen begleitete, eigentlich auf einer cineastischen Mafiamelodie fußende “T.V.Guide”, in das Ras Kass am Ende eine Rede von Mumia Abu Jamal einfügt. Kurzum: “Van Gogh” eröffnet eine bemerkenswerte Vielzahl von Zugängen.



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