Jonathan Richman
»Her Mistery not of High Heels and Eye Shadow«
[Wea]
Text:
linus volkmann,
linus volkmann
Diese beiden großen Männer des genauso ergreifenden wie überkandidelten Songwritertums in einen Kontext zu stellen, liegt so sehr auf der Hand, dass es mich fast ein wenig ärgert, dass im Begleitschreiben zu Begemanns Live-Platte auf eben Jonathan verwiesen wird. Für alle, die ohne diese erklärenden Zettel auskommen müssen, sei gesagt, dass sie (zumindest bei deutschen Künstlern) mittlerweile offenbar alle von Tomte-Sänger Thees Uhlmann verfasst werden. Seltsame Entwicklung - aber ganz schön. Uhlmann - auch so ein legendäres Rampen-Pferd. Wie Bege- und Richman. So und jetzt begonnen sei bei Bernd, der versucht, seine unglaublich energetischen, affektbeladenen, unberechenbaren Bühnenqualitäten auf CD zu pressen.
VÖ: 14.09.01
Genau wie Jonathan Richman. Der ist in Amerika eine Art Star und hier eine Art gar nichts. Das ging ja sogar so weit, dass seine Gesangs-Appear in dem Film “There’s Something About Mary” als Barde, der mit Wandergitarre immer die Geschehnisse - als Äquivalent zum Chor in der griechischen Tragödie - kommentierte, in der deutschen Copy synchronisiert wurde. Mit der Stimme von dem “Justus Jonas”-Sprecher, glaube ich sogar. Verdammt frusty das alles, würde ich sagen. Aber etwas bleibt doch immer in solchen Momenten: die innere Emigration - mit der neuen Platte. Richman ist trotz seines gediegenen Alters und fast dreißgjähriger Bühnenpräsenz immer noch ein wunderbarer und ungewöhnlicher Songwriter. Auffällig ist, dass er in bezug auf Rhythmus und Instrumentarium wieder mehr mit Hispanic-Versatzstücken jongliert. Aber selbst das ist nichts Neues, denke man an seine Platte von ‘87 oder so, die sich “Jonathan, Tu Vas A Emocionar!” nannte. Jetzt ist es Jahre später, aber dieser Mann verliert einfach nichts, sondern gewinnt tatsächlich noch dazu. Zum Beispiel? Auf dem musikalisch von Tito Puento inspirierten Song “Springtime In New York” kokettiert er sogar mit Sinatra-esken Momenten in der Stimme. Das ist großes Kino. Das ist der ironische, das ist der todernste White Trash - der bei ihm das Leben als ewigen College-Aufenthalt darstellt. Clever, aber eben auch mit time to spend to make Unsinn. Das wird hier entfaltet in zehn neuen Songs und vier spanisch gesungenen Outtakes von raren EPs. Diese beiden Platten machen dich alle, und das ist als Kompliment gemeint.
VÖ: 22.10.01
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