BEWERTEN
 

Clem Snide

»The Ghost of Fashion«

[Cooking Vinyl / Indigo]

Text: Stephan Ossenkopp, Stephan Ossenkopp

Das Wort Country mag ja Land heißen, und Country-Musik mag ihren Ursprung im Ländlichen und Volkstümlichen haben, in all den nach Amerika importierten Volkmusikarten aus allen Teilen Europas. Doch längst schon ist diese Art von Musik aus den Ställen ausgerissen und hat dem Staub der Viehherden den Rücken gekehrt. Clem Snide sind so eine Band für Landflüchtige. Nun, rein äußerlich mag es in den Metropolen - wie Boston und New York, in denen sie zu Hause sind – gar nicht so anders aussehen. Auch dort gibt es einen Haufen Rindviecher und eine Menge aufgewirbelten Staub. Aber die Menschen ticken anders. Alles ist komplexer und neurotischer.

Die kleinen Absurditäten und gereimten Ungereimtheiten in Sänger Eaf Barzelays Texten künden davon. Ich könnte mir vorstellen, dass sich all die elektrischen Cowboys/-girls, die nach Feierabend durch urbane Häuserschluchten nach Hause reiten, in dieser Musik wiederfinden können. Sie hat etwas fundamental Sentimentales, selbst wenn sie manchmal aufbraust und heiter wirkt. Man tanze hierzu alleine, mit einem Glas billigem Whiskey in der Hand, und versuche sich im Spiegel selbst zuzulächeln. Übrigens: erst im März wurde das Album “Your Favourite Music” herausgebracht. Ich finde es emotional noch etwas verwirrender und eindringlicher. Am besten, man hat beide, dann steht dem schrankenlosen Gefühlsüberschwang eigentlich nichts mehr im Wege.
VÖ: 10.09.01

Hem kommen wie Clem Snide aus New York City. Es ist gleichzeitig aufregend und beruhigend, zu wissen, dass eine solche Stadt derart viele talentierte Musiker fassen und ihnen einen Nährboden für ihre kreative Arbeit bieten kann. Hem sind vielleicht die perfekte Ergänzung zu Clem Snide, indem sie, nachdem der trunkene manische Tanz vorbei ist, am nächsten Morgen den leichten Kater überwinden helfen. Die harmonisch arrangierten Streicher und Blasinstrumente, die akustische Gitarre, das Piano, aber vor allem die wunderbar klare Stimme von Sängerin Sally Ellyson geben der überreizten Seele zärtliches Balsam. Sally erinnert mal etwas an die in Salem bei Boston lebende Mary Lou Lord, mal fast schon an Karen Carpenter. Die 16 “Rabbit Songs” haben also durchaus moderne Klassiker des amerikanischen Musikhandwerks im Sinn, wobei die Fiddle mal einen irischen Folk-Touch einbindet und die orchestralen Momente an von Bacharach beeinflusste Pop-Epen heranlangen. Hem machen Country-Folk-Pop, der eben nur feinste und sehr genau aufeinander abgestimmte Zutaten verwendet.
VÖ: 03.09.01



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