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Jay-Z

»The Blueprint«

[Def Jam / Universal / VÖ: 17.09.2001 ]

Text: Jelenia Gora, Jelenia Gora
[5 Kommentare]

Shawn Carter, das ist einer jener Typen in HipHop, an die man differenziert herangehen muss. Ihr, meine Leute da draußen, wisst, was das bedeutet: Es gilt Musik, Lyrics und Person getrennt voneinander wahrzunehmen. Wer Jay-Z ernsthaft zuhört, dem vergeht recht bald das Lachen. Getting jiggy with the hustler schlechthin. Man könnte ihm allerdings zugute halten, dass er nun wirklich nicht versucht, irgendwas von dem Scheiß, der in seinem Kopf so rumschwimmt, zu verbergen. Im Booklet langt er sich locker in Geberpose an den Gürtel, sind jede Menge Geldscheine abgebildet, auf der CD klebt ein Sticker mit dem egotrippenden Text „Nothin’ but smashes!“, und das erste Stück heißt ganz bescheiden „The Ruler’s Back“.

Jay-Z vergeudet keine Zeit mit falscher Bescheidenheit. Der Typ weiß, dass sein Hammer richtig hängt - mal ehrlich, vom Hitfaktor her gibt es nur wenige über ihm: Timbaland, die Neptunes, Dr. Dre und Missy (und ich wette, dass ihn vor allem letztere grämt). Aber wo würde ich denn bleiben, wenn nur noch die mir theoretisch und auch im Alltag viel sympathischeren Conscious-Jungs Platten machen dürften - sicherlich nicht um halb sechs in der Kneipe meines Vertrauens auf dem Tisch. „Guilty / Not-Guilty“ war einer der Tracks des Jahres - auch wenn mich natürlich die Hustlersymbiose mit R. Kelly inhaltlich zum Kotzen brachte; letzteres bezieht sich vor allem auf „Fiesta“, des Textes schlimmster Sumpf. Hier spricht der Bodensatz des amerikanischen Schulsystems. Und der Track erzählt uns zu korrekten Beats von der Unschuld vieler gejagter Afroamerikaner, von der Vergangenheit im Ghetto und jeder Menge „Girls, Girls, Girls“ - im letzteren Track erklärt er, dass er Girls liebt. Nein, Alter, du gebrauchst sie. Aber das muss ich keinem mehr erzählen. Aber vielleicht muss das so kommen, wenn man in den Marcy-Projects von Brooklyn aufgewachsen ist, mit 16 Drogendealer wurde und dann ins nicht minder üble Musikbiz abgerutscht ist - da muss das eigene Label fast schon stringenterweise Roc-A-Fella heißen. Diese Platte kommt von einem Typ, der nicht mehr im Kopf hat als die zwei Haare, die drauf sind. Oder: Die Hüfte sagt super; der Kopf sagt: dem Typen möchte ich die Eier abzwicken. Geht okay mit Kollegin Grether, mit der ich gerade sprach. Bonustrack: Das Gute an sexistischem Hustler-HipHop wie dem von Jay-Z ist der in ihm angelegte soziale Sprengstoff, gerade in Amerika. Ich möchte nicht wissen, wie sehr sich die weiße Oberschicht das Ende dieses freimütig performten Gebräus - aus Kohle durch die Gegend schmeißen, Frauen schaukeln und Drogen aus der Nase bröckeln lassen - wünscht. Aber das Rad der Geschichte lässt sich nicht zurückdrehen. Und wenn kein Herz in der Stadt liegt (aus „Heart Of The City“), dann darf man sich nicht wundern, wohin das alles führt. Wow. Jetzt habe ich doch ein gutes Zitat auf der Platte gefunden. Premiere. Ich bin raus.



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  • User: Maggotron
  • Maggotron 01.05.2002 | 17:13:48

    Diese Review klingt, als ob der Promwaschzettel der Plattenfirma mit einer Ansammlung von persönlichen Vorurteilen abgeglichen wurde. Subjektivität ist eine Sache, Desinteresse eine andere. Wenn man absolut keine Lust hat, sich mit einer Platte auseinanderzusetzen, sollte man keine Kritik schreiben.

  • Tomalak 01.05.2002 | 17:26:53
    runner vonn de Gass
    WORD!
    Da hat sich wieder mal eine Birkenstocktragende Öko-Schlunze aus Hintertupfingen die gerade ihrem Bürgerkreis für mehr Mülltonnen beiwohnt, sich als Kritikerin versucht.

  • User: petrophil2001
  • petrophil2001 01.05.2002 | 18:31:51

    Es gibt in der Rezension bestimmt ansätze die der wirklichkeit entsprechen, aber negative beigeschmack ist deutlich zu hören - doch wer die platte gehört hat, wird sie mögen - da bin ich mir sicher. Ich habe über Herrn Jiggamän auch eine geteilte Meinung, aber The Blueprint ist eines der HipHop Albem 2002 - keine Frage. Eine sehr abwechslungsreiche Production und Beats, viele schöne soul samples...und ein sehr unterhaltsamer Battle mit Nas

  • User: XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX
  • XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX 01.05.2002 | 22:34:59

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