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Groove Armada

»Goodbye Country (Hello Nightclub)«

[Jive / Zomba / VÖ: 04.08.2003 ]

Text: Burkhard Welz, Burkhard Welz

Dies ist die Geschichte von zweien, die auszogen, um nicht weniger als die Welt zu erobern. Der dritte Longplayer von Tom Findlay und Andy Cato impliziert neben dem Bedürfnis, Gehör zu finden, auch noch eine Wandlung, die im Titel deutlich wird: Die beiden Protagonisten tauschen in Zukunft ihr kleines, verschlafenes Studio in der „Countryside“ gegen ein urbanes Leben auf Reisen. Immerhin: In England und in dessen ehemaliger Strafkolonie a.k.a. Australien konnte man sich mit dem Vorläufer „Vertigo“ schon durchsetzen. Außerdem hört man von wilden Partys der Hollywood-Schickeria, bei denen die zwei an den Turntables standen, seitdem sie von Madonna höchstpersönlich in den Remix-Adelsstand befördert worden waren.

„Goodbye Country“ erzählt von dieser Gratwanderung zwischen Kunst und Kommerz, Underground und Jet-set. Immerhin begannen die beiden beim Minikultlabel Tummy Touch ihres Freundes Tim „Love“ Lee, entwickelten sich kometenhaft innerhalb von drei Jahren zur Spitzenkraft britischer Dancefloor-Geschichte, nur um sich am deutschen Markt die Zähne auszubeißen: „Wir kommen wieder nach Deutschland, und es ist fast so, als müssten wir wieder bei Null anfangen. Es ist nicht einfach, denn wir haben hier nur 8 bis 10.000 Platten verkauft. In Großbritannien waren es 150.000 Einheiten, obwohl der Markt kleiner ist als in Deutschland.“ (Komplettes Videointerview unter www.intro.de.) Nun war der deutsche Verbraucher schon öfters mit Skepsis gegenüber britischen Importen behaftet. Woran mag dies liegen? An Groove Armadas neuem Werk soll und kann es nicht scheitern. „Goodbye Country“ wartet, getreu dem Armada-Motto, mit einer Vielzahl von Gästen und weiterführenden Song!-Ideen auf. Schluss mit Sample-Diktat und Retorten-Groove! Wozu Instrumente samplen, wenn man sie auch spielen lassen kann! Von Nile Rogers (git.), Richie Havens (voc, und was für welche), Brandy! (voc), Jeru Tha Damaja (toasting), Jonathan White (bass). Dazu noch eine halbe Brass Band etc. pp. Das klingt vielversprechend und wird zum Großteil auch gehalten. Der Song steht im Vordergrund, der plakative 4-to-the-floor-Beat tritt zugunsten der Roots (Ragga, HipHop, Soul bzw. R’n’B) in den Hintergrund. Diese Wandlung kann man goutieren, wenn man eine polierte Produktion und perfektes Songwriting zu würdigen weiß. Oder man vermisst die guten alten House- und Balearic-Grooves der Tummy-Touch-Ära. Immerhin ist der Groove-Armada-typische Sound noch erkennbar, und mit „Superstylin’“ und „Suntoucher“ hat man schon mal zwei potentielle Anwärter für die kommenden Aufgaben auf den Tanzflächen. Hello Nightclub!



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