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Blumentopf

»Eins A«

[Four Music / Sony / VÖ: 01.10.2001 ]

Text: Hannes Loh, Hannes Loh
[10 Kommentare]

„Die Jungs Aus’m Reihenhaus“ lassen wieder Reime raus. Mit ihrem dritten Album, „Eins A“, ist Da Blumentopf aus München-Nord eine erstaunlich gute und facettenreiche HipHop-Platte gelungen. Auf einem unerhört hohen Niveau werden Zeilen gedroppt, die erst mal Spaß machen. Und neben sympathischer Selbstüberschätzung und gesunder Selbstironie bleibt genügend Stoff, der zwischen den Zeilen gelesen werden will. Jahrelange Freestyle-Erfahrung, die „Plan 58“-Tour gemeinsam mit Main Concept und diverse Features hielten die Rapper Schu, Holunder, Roger und Heinemann in ständigem Training, was man ihren Skills auf „Eins A“ anhört.

Mit viel Liebe fürs Detail betätigt sich auch DJ Sepalot, der die meisten Beats für das Album produziert hat. Was Blumentopf vor anderen (HipHop-) Acts auszeichnet, ist die ungewöhnliche Transparenz, mit der die Gruppe ihren Hörern Einsicht gewährt in einen Alltag voller Widersprüche und Inkonsequenzen, den ein Dasein als bühnengeiler Rapper einerseits und reflektierendes, kritisches Individuum andererseits so mit sich bringt. Unterschiedliche Auffassungen werden nicht zugunsten eines geschlossenen Bandprofils neutralisiert, sondern stehen unkommentiert nebeneinander. Diese Methode führt jedoch nicht zu einer Beliebigkeit der Aussagen, denn in einigen Punkten werden sehr wohl klare Positionen bezogen. Als erste deutsche HipHop-Crew reagieren Blumentopf z. B. auf die zunehmend homophoben Tendenzen in deutschsprachigen Raptexten und stellen auf angenehm unverkrampfte Art Vollidioten bloß, die „schwul als Synonym für scheiße“ benutzen. Ihre eigene Position verorten sie in unaufdringlichen Nebensätzen, die klar machen, dass man sich sehr wohl darüber im klaren ist, woher man kommt. Auch hier sind die Biografien höchst unterschiedlich: Schu wurde gedisst, weil er in der Schule der Loser war, Holunder, weil er immer nur Einsen geschrieben hat. Aber beide träumten vom Platz auf der Bühne und hübschen Mädchen, und deshalb haben beide den Mittelstandsblues, den sie nun mit Genuss zelebrieren. Schöne Frauen bleiben die begehrten, besungenen, aber unerreichbaren Wesen, über die man sich in diffizilen Reimen den Kopf zerbricht. Jedoch mündet diese Ratlosigkeit nicht in eine aggressive, männerbündische Atmosphäre, sondern wird mit spielerischer Selbstironie aufgefangen. Dem blumentöpfischen Infantilismus steht eine sichere und durchaus kritische Einschätzung der gesellschaftlichen Verhältnisse zur Seite. Der eigene Sprechort wird als exotischer und privilegierter Standpunkt erkannt, das Wissen über die Regel im Alltag wird nicht verdrängt. Als Begründung, warum man rappt und Reime kickt, wird keine pathetische Geschichte erzählt: „Weil ich es gottverdammt nicht lassen kann“, so lautet die einleuchtende Antwort. Ihre stylistische Spitzenklasse schließlich beweist der Track „R’n’B“, auf dem Jan Delay, D-Flame, Toni L, Die Massiven Töne und Samy Deluxe auf eine grandiose Art imitiert werden. Neben „Zwei“ von EinsZwo ist „Eins A“ von Blumentopf das interessanteste deutschsprachige HipHop-Album dieses Jahres.



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  • holzimnetz 01.10.2001 | 13:51:16

    Was ist denn daran so erstaunlich, dass diese Platte so gut geworden ist? Wer "Grosses Kino" kennt kann sich darüber nicht mehr wundern, sondern konnte sich eigentlich nur noch auf den Release Termin freuen.

  • User: westbabybam
  • westbabybam 01.10.2001 | 14:00:16

    Die Beats von Sepalot sind schon ziemlich gut, aber die Blumentopf-Rapper kannste doch alle einbuddeln!

    Dagegen sind fettes Brot Hardcore-HipHopper

  • User: Thorn
  • Thorn 01.10.2001 | 15:50:45

    bitte was??

    ich les wohl nicht recht. die töpfe hamm´ alle ziemlich geile rhymes.
    und nach dem was ich bisher gehört habe, sind sie auch immer noch frisch.
    also was soll an denen bitte buddelfähig sein??

  • User: 101
  • 101 01.10.2001 | 17:01:17

    ...eben! Was Wortspiele & Raffinesse angeht macht den Töpfen so schnell keiner was vor!!!
    Für mich neben EinsZwo die reimtechnisch besten.....

    101

  • User: westbabybam
  • westbabybam 01.10.2001 | 18:22:33

    As Guru said:"It's mostly the voice..."

    Die Jungs sind mir viel zu harmlos & glatt.
    Und die Wortspiele...,naja.
    Es ist schon schön, daß es noch Rapper gibt, die relativ slang-frei rappen können, aber es macht mir persönlich nur wenig Spaß sich so'n Oberstufen-Gelaber anzuhör'n.
    Dendemann ist eine ganz andere Liga.
    Darauf lässt sich doch einigen,oder?

  • User: bizmark73
  • bizmark73 01.10.2001 | 18:40:28

    @wbb: dito! aber die produktion von "eins a" ist echt ok: nette beats & samples - sind halt leider schlechte rapper.

  • User: westbabybam
  • westbabybam 01.10.2001 | 18:44:20

    Ey, Biz, lass mal Blumentopf dissen *hähä*

    Pullunder für Holunder
    Toastbrot für Sepalot
    keine Ahnung wie die andern heißen,
    können halt nich' so mit reimen
    sch(m)eißen

  • User: jette
  • jette 01.10.2001 | 19:10:37

    westbabybam, aber du kannst es, wort drauf! *hähä*

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