BEWERTEN
 

The Moldy Peaches

»The Moldy Peaches«

[Rough Trade/EFA / VÖ: 29.10.2001 ]

Text: Thomas Venker, Thomas Venker

Meine Platte des Monats, leider exakt zehn Minuten vor dem Layout der Review-Seiten ins Haus gekommen. Da bleibt nur Ignoranz gegenüber der Uhr und wildes fühlen – möge mich die Platte schnell an ihren Kern führen. Während sie das macht, gebe ich euch ein paar hardfacts mit auf den Weg in den local indie store: Kennengelernt haben sich Adam Green und Kimya Dawson in einem Café in Bedford Hills 1994. Green war damals 13 und schrieb Songs über Teenager-Ängste. Die Funken flogen aber erst richtig als Dawson im – so schnell geht das mit der Redundanz in der Besprechung – local indie store zu arbeiten begann, und Green im benachbarten Pizzaladen. Gelegenheiten en masse, sich mit Egotrip-Stories über das Abhängen mit Indiepopstars aus Olympia Washington (Kimya) und Nirvana-inspirierten Schrammelhymnen (Adam) zu belästigen und belustigen.

Das war bestimmt nett, mündete aber noch nicht in einem gemeinsamen Projekt. Das startete erst als Adam auf den Vanilla Ice- und MC Hammer-Tripp kam. Von da an kannte ihr System keine Grenzen mehr: Der erste Song „Lucky Number Nine“ öffnet sofort Herzen. Wer schreit bei einem Dialog wie „Indie boys and erotic“ (Kimya) / „makes my eyes bleed“ (Adam) nicht sofort laut und rennt zur Anlage, um lauter zu drehen? Fast so geil wie anno dazumal als ich die erste Half Japanese gehört habe. Der Sound erinnert freilich erst mal an die Pixies – aber nur ganz kurz, dann übernehmen das Schepper-Schlagzeug und die angeslackten Slomo-Stimmen das Kommando. Und auch „Jorge Regula“ ist entspannt und ach so interessant. Da läuft der boy die Straße runter und singt mit der gleichen Selbstverständlichkeit von seiner Liebe zu ihr, vom Baden, vom Essen, vom Filme schauen wie von der Arbeit. Und der Clou: er singt zuerst, sie wiederholt alles. Der gute alte Kanon, hier erwischt er uns lakonisch mit zwei-Sekunden-Versatz. Am schönsten wird es, wenn beide nur ganz leise den Text hauchen – kein Wunder, dass da die letzte Zeile „Let’s get to sleep“ lautet: ja, in diesem Outfit könnte ich mir Kuschelsex ausnahmsweise vorstellen. Doch diese ruhigen Stücke sind nur eine Seite der Moldy Peaches „What went wrong“ ist beispielsweise ein hysterisches Hybrid aus Beziehungsstreit und Psychiatrie – passt ja, hängt ja auch zusammen. Und da gibt es auch Geschichten wie die vom „sucking dick for ecstasy“ oder jene vom aus der Hose hängenden Schwanz. Schon lange wurde verzerrter, kaputter Rock´n´Roll nicht mehr mit so zynisch-witzigen Texten gepaart. Hier treffen sich Doo Rag und Royal Trux. Weiteres Beispiel: „I used to be dead now I am guy“, dahingesagt während er auf der Couch rumlümmelt – für diese Zeile würde der halbe New Yorker Underground töten. Und ein letztes Beispiel – viel zu viel ist mir leider beim ersten Schnellhören (Kollege Volkmann drängt mit heißem Hauch im Nacken) nicht greifbar geworden: „we hate dancing and we hate rap“, aber wir können ordentlich rocken, denn wir sind die Moldy Peaches. Wort. Kollege Ossenkopp hat sie übrigens neulich in Rotterdam live gesehen, im Vorprogramm der Labelkollegen Strokes (siehe Artikel und Nachlese in dieser Ausgabe). Ein Bild zum Schreien, berichtet er. Die beiden saßen auf Barhockern und waren als Robin Hood (Adam) und Bunny (Kimya) verkleidet. Er schrammelte auf der akustischen Gitarre, sie rüttelte irgendwas durch die Luft – Auftrag: für Rhythmus sorgen. Die gesamte Performance lief über die Mimik – und natürlich die Musik. Ich hätte ja erwartet, dass sie wie wild über den Boden kriechen.....



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  

dunkel...
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.

 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •