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Orchestral Manoeuvres In The Dark

»Navigation – The OMD-B-Sides«

[Virgin / VÖ: 27.09.2004 ]

Text: Maximilian Freudenschuß, Maximilian Freudenschuß
[3 Kommentare]

Diese Platte kommt nicht zufällig jetzt raus. Schon die letztjährige Veröffentlichung der „Peel Sessions 1979 – 1983” hat gezeigt, dass das wiederentstandene Interesse an Popformeln von vor 20 Jahren auch die frühen „experimentellen” Orchestral Manoeuvres in the Dark zurück an die Oberfläche der pophistorischen Betrachtungen spült. Das omnipräsente Achtziger-Revival macht doch nicht etwa langsam Platz für differenzierte Untersuchungen verschiedener Modelle? OMD waren zumindest 1979 eine der ersten Bands, die elektronisches Equipment in radiotaugliche 3 1/2 Minuten-Arrangements tauchten, und handelten weniger von technoider Entfremdung (Gary Numan), linkspolitischem Engagement (Heaven 17) oder knackigem Teenie-Pop (Depeche Mode) als von sakralen Stimmungen und einer gewissen Hingabe an technische Geschichtsbücher (Track-Titel wie „Messerschmitt Twins“, „Electricity“, „Telegraph“): 20-jährige Kraftwerk-Fans, die den Pop von ABBA mochten und trotzdem zu Joy-Division-Konzerte gingen, weil sie eine kollektive Gegenwarts-Stimmung einfingen.

Musikalisch umgesetzt wurde das mit Bandmaschine, Prä-808-Drummachines, Bassgitarre und Mellotron. Und obwohl das nie angestrebt wurde, kam die Band damit natürlich prompt in die Charts; ohne Make-up, ohne Fashion, keine euphorischen Teenager. Ein Umstand, der OMD ab Mitte der Achtziger und in den Neunzigern zu Nervensägen machte: von soundästhetischen Entwicklungen überholt, und dem Flop des mutigen Albums „Dazzle Ships” verunsichert, sangen sie farblos und vokabelarm über immer gediegenere Arrangements die Sorte Liebeslieder, die vor allem eins vermittelte: „Wir lassen uns auf keine Moden mehr ein, schreiben aber nur noch Hits und wissen mittlerweile genau, wie das am leichtesten geht. Wer unsere Käufer sind, ist egal, weil wir mit unserer Geschichte nach wie vor Erneuerer sind...“ Sie waren’s nicht mehr. Lest doch mal Interviews mit Sänger Andy McCluskey. Heute schreibt er die Songs der blutleersten aller Girlgroups, Atomic Kitten.

Das vorliegende B-Seiten-Album konzentriert sich auf die frühe Phase und fasst erwartungsgemäß die eher losen Aspekte des Spielzimmers „Flipside“ zusammen, in denen schwelgerische Stücke schon mal einminütige Zwischenteile mit Morsecode-Sounds beinhalten („Navigation”) oder an Cluster und Neu! erinnernde Soundscapes mit bis zur Unkenntlichkeit verhallten Stand-up-Improvisations-Gesang („Annex”, „I Betray My Friends”) gemischt werden. Die Demoversion der waidwunden Teenage-Angst-Nummer „Almost” bleibt in seiner Schlichtheit ein früher Höhepunkt, aber ihre schönsten Momente hat die CD immer dann, wenn sich Songwriting-Versatzstücke, frühe Electronica und sample-artig verwendete akustische Instrumente wie ganz selbstverständlich in vier Minuten treffen. Dafür sollten wir Orchestral Manoeuvres in the Dark in Erinnerung behalten.



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  • User: janie lane
  • janie lane 09.05.2002 | 00:38:05

    hui! das ist ja'n ding. jetzt muss ich doch mal irgendwas (nur nicht über's knie) brechen für diese ehemals wunderbare kapelle!

    nach vielen jahren hab ich sie endlich wieder entdeckt. nicht mit dieser compilation, sondern mit einem haufen 2nd-hand-12"es in den letzten wochen.

    experimentell, pop, eingängig und doch oft so sperrig und geschmackssache. waren für mich einer von drei gründen, mit dem musikmachen anzufangen. zugegeben - als mittelspätgeborener - erst mit der 1985er pop-phase und dem quasi "posthumen" (offiziell solls die ja immer noch geben, aber spätestens nachdem paul humphreys nicht mehr dabei war, wars irgendwie vorbei) entdecken des unglaublichen frühwerks, aber immerhin: diese band zählt zu meinen wichtigsten einflüssen und hat meine melodiemanie maßgeblich mitgestaltet.

  • User: janie lane
  • janie lane 09.05.2002 | 00:55:34

    wollte sagen: ist diese band eigentlich heute noch bedeutsam? und sei es eben durch verdienste aus frühen tagen und den in der vö-info angesprochenen zusammenhängen? wann wird so ne popband schon in einem zusammenhang mit kraftwerk, joy division, heaven 17, depeche mode, gary numan usw. genannt?

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