BEWERTEN
 

Phillip Boa & The Voodooclub

»The Red«

[RCA / BMG]

Text: Thomas Hübener, Thomas Hübener

Boa hat sein Malteser Exil aufgegeben, und es wäre nur zu wohlfeil, jetzt von Hilfsdiensten zu sprechen oder Betitelungssteilvorlagen wie den Track „When I´m Bored“ mit Kälte im Herzen auszuschlachten. Jener Boa hat mal drei hübsche Platten gemacht, bewiesen, dass man nicht unbedingt singen können muss, um schwarzbelederte Jünglinginnen (wenige) und Jünglinge zum Konterfei/Slogan-T-Shirt-Kauf zu verleiten, zeigte, dass Großmäuligkeit manchmal sogar ins Feuilleton führt - wenn auch konstant mit weniger Zeilen, als man Überbruder Blixa widmete - und Hybris pop music´s second name ist. Das sind Meriten der Vergangenheit, und jetzt will er’s noch mal wissen, mit O.L.A.F.

Opal (Notwist, Miles, Readymade) als Produzent an seiner Seite und Console, Schneider TM und dem Miles-Vokalisten als willigen Gastvollstreckern im Studio. Kein Voodoozauber half, diesem Album zu Größe zu verhelfen, nicht mal der eingeflochtene Beitrag der wunderbaren Sybille Berg, die alle zynisch finden, wenn sie doch nur traurig ist. Regressive, stumpfe, Vitalismus atmen wollende Punk-Riffs werden auf fiepigen Pluckerbeats serviert, schepprigen Krach macht’s schon, innovativ ist das wie das Spätwerk von Cassandra Complex oder Billy Idol zur Zeit, als er lautstark Cyberpunk proklamierte und ihm partout keiner dafür mit Novumgeschrei um den Hals fallen wollte. Der steinige Weg von der Avant- zur Arrièregarde. Er will es wissen, die Welt wohl nicht.



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