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»Testament Der Angst«
[Zickzack / Warner / VÖ: 21.05.2001 ]
Text:
Phillip Sollmann,
Phillip Sollmann
Blumfeld, vierter Teil. Auferstehung der Wut, Verdichtung der Trauer, Manifest der Entsetzlichkeit, Anklage ans Schweigen und auswegslose Katharsis. Distelmeyer hat immer noch nicht gelernt, glücklich zu sein, zweifelt, klagt, kauert und ängstigt sich vor dem da draußen. So unzeitgemäß, dass es allen mit Restzweifel Behafteten in Mark und Bein fährt. Nach “Old Nobody”, der Ode an die Liebe und dem Versuch der Menschwerdung, ist er wieder ganz am Anfang. Gefangen in der “Ich Maschine”, diesmal allerdings mit anderen Vorzeichen. Sinnlosigkeit schwebt über allem, aus dem postpubertären Aufschrei ist eine Stimme der Wut gewachsen, die immer wieder versucht, das kurze Glück im Privaten zu finden, dabei jedoch wieder und wieder scheitert.
Da steht jemand vor dem Trümmerhaufen der Dissidenz und fragt: “Soll ich der Hoffnung neuen Glauben schenken?” Und attestiert sich selbst, versagt zu haben: “Ich habe versucht, den Widerspruch zu leben, ich hab versucht, einfach ich selbst zu sein, es hat nicht funktioniert, das Leben selbst scheint mir ein Fluch zu sein.” Alles, was bleibt, ist die “Angst davor, wie’s weitergeht, und vor’m alleine sein.”
Doch trotz der Resignation, oder vielleicht gerade dadurch, erlangt er eine Kraft und eine Wut, die er zuletzt auf “L’Etat Et Moi” hatte. In die “Diktatur Der Angepassten” kommen
Blumfeld zu dem zurück, was sie einst so einzigartig und unausweichlich machte. In Musik und Sprache werden sie hier wieder zur stellvertretenden Stimme des Unwohlseins, nur dass sie diesmal uns alle, ich würde behaupten, auch sich selbst, adressieren, wenn es heißt: “Ihr habt immer nur weggesehen, es wird immer so weitergehen, gebt endlich auf - es ist vorbei.”
Endlich wieder jemand, der spricht. Der sich traut, das globale Einverständnis mit den Verhältnissen zu attackieren. Die Konklusion ist verhehrend. Der Glaube an das (relative) Menschsein ist aufgegeben. Idealismus und Utopie sind verschwunden. Und es erschüttert zuftiefst, wie er da in einer Haltung, die zuletzt in den Achtzigern vorhanden war, auftritt und sich eben traut, mit einer einfachen, ehrlichen Sprache anzuklagen und zu versuchen, die Verschleierung hinwegzufegen. Es knallt mitten rein in den sinnentleerten Hedonismus, der so unabwendbar scheint und kritiklos von allen Seiten hingenommen wird. Genau jetzt das. Wahnsinn. “Die Tränen werden hart und ich kann damit leben.” Und so schließt sich der Bogen von “Ich Maschine” als Akt der Explosion zu einer selbstzerstörerischen Implosion auf “Testament Der Angst”, bei der sich Distelmeyer nicht mehr hinter Text-Konstrukten und einer Armee von Zitaten verstecken braucht. Es ist wohl die ehrlichste, intimste und wichtigste
Blumfeld-Platte geworden, die mehr als bewegt, nämlich beängstigt. Das ist gut. Nichts ist gut.
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Diese User besitzen die Platte
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The_Ig