BEWERTEN
 

Michael Franti & Spearhead

»Stay Human«

[Boo Boo Wax / Labels / VÖ: 04.05.2001 ]

Text: Jan Wölffel, Jan Wölffel

„Hate is what got me here / love, sweet love is gonna set me free.“ Michael Franti hat von den Disposable Heroes Of HipHoprisy über Spearhead bis zu seinem aktuellen, komplett von ihm geschriebenen, aufgenommenen und produzierten Album „Stay Human“ einen langen, durchaus linearen Weg zurückgelegt. Linear insofern, als dass er Album um Album die Trennungslinien zwischen Politik und Spiritualität, Körper und Geist, Verstand und Emotionen, dem eigenen und einem universellen, metaphysischen Selbst aufgehoben hat. Seine Stimme (und damit auch seine Musik) ähnelt, wie er selbst auf dem letzten Stück von „Stay Human“ sagt, der Haut einer Trommel: Schlägt man auf sie ein, wehrt sie sich mit einem kraftvollen Ton, streicht man sanft über ihre Fläche, reagiert sie leise, angenehm.

Beide Pole sind auf „Stay Human“ enthalten. Doch es überwiegen die vermeintlich leiseren Töne, deren Anliegen es ist, der auf rutschigem Eis befindlichen Seele Halt zu geben, denn „all people deserve a safe and warm home, cause every single soul is a poem ... written on the back of God’s hand!“ Schon zu Disposable-Heroes-Zeiten zweifelte Michael Franti daran, ob „everything in life (must) have political ramifications“ („Water Pistol Man“). Denn begibt man sich in die Auseinandersetzung auf politischer Ebene, birgt dies die Gefahr, einerseits die Widersprüchlichkeiten des Systems mit aufzunehmen und darüber hinaus an einer gefühlten Ohnmacht zu scheitern. Ein Beispiel für letzteres ist die in den Skits geschilderte Exekution einer Community-Aktivistin. Michael Franti setzt sich vehement für die Solidarität untereinander ein, schlägt mit einfachen Weisheiten wie „people are so beautiful in love“ oder „all the freaky people make the beauty of the world“ Brücken und knüpft musikalisch wie inhaltlich an die Tradition von Songwritern, Musikern und Poeten wie Marvin Gaye, Curtis Mayfield, Sly Stone, Bob Marley oder Gill Scott Heron an. Wie brillant, bildhaft, verzweigt und persönlich Michael Frantis Poetry geworden ist, mag der erste und diese Rezension abschließende Vers des Titeltracks andeuten: „Starvation is a creation of the devil / a rebel, I bring food to the people like a widow / bringing flowers to a grave in the middle / of the city isolation is a riddle / to be surrounded by a million other people / but feeling lonely like a tree in a desert / dryed up like the skin of a lizard / but full of colour like the spots of a leopard / drum‘n’bass booming in like a shepherd / scratch my itch like a needle of a record / full of life like a man going to mecca / sky high like an eagle absorbing / I speak low but I’m like a lion roaring / bariton like a robin in recording / I’m saying thanks for being human every morning!“



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