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»James Joyce und John Cage. Welt - Klang - Text«
[Wehrhahn Verlag, 312 S., DM 48,-]
Text: Autor unbekannt
In dieser so instruktiven wie trotz der Komplexität der Materie gut lesbaren Nachzeichnung der Verbindungslinien im Werk zweier der wohl einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts widmet sich der Literaturwissenschaftler und Musiker Köhler dem Verhältnis von Sprache und Klang. Cage, der oft missverständlich lediglich als Komponist wahrgenommen wird, hat sich nicht nur in seinen umfangreichen “literarischen” (er akzeptierte weder die Gattungsgrenzen innerhalb der Kunst noch jene größere Schranke zwischen Kunst und Leben) und philosophisch-theoretischen Werken, sondern auch in seinen Kompositionen explizit mit Joyce auseinandergesetzt.
Beiden gemein ist die Ablehnung der Diskursivität einer konventionellen Sprache, deren Filter im Zuge der Bedeutungskonstitution zu Wahrnehmungsbeschränkungen- und verzerrungen führen, da zur Welt zu kommen immer schon zur Sprache zu kommen bedeutet. Es bedarf gleichsam einer Dekonditionierung der durch Sprache oktroyierten bloßen Weltbilder, um zu einer Erfahrung der als prozessual aufgefassten Tatsächlichkeit der Welt zu gelangen. Köhler zeigt auf, wie Joyce, namentlich in “Finnegan’s Wake”, durch Sprachverwandlungen und die das klangliche Material von Sprache entbindende Sinntransgression und Cage, Joyce radikalisierend, durch die Erweiterung des musikalischen Materialbegriffes, den Einsatz von Zufallsoperationen und Elementen von Indeterminiertheit sich diesem Ziel unverstellter Weltperzeption nähern. In Cages von Zen-Buddhismus und mittelalterlicher Mystik beeinflusstem antihierarchischem und ergo antiintellektualistischem - da der Intellekt als logokratisch strukturiert gefasst wird - Impetus kommt es zu einer Ablehnung künstlerischer Subjektivität, die als Unterdrückung der klanglichen Potentiale der Dingwelt, in denen sich deren Essenz entfalte, interpretiert wird. Der Künstler ist vielmehr “Geburtshelfer” oder “Aktualisator” des Dingklanges. Ein Buch der verblüffenden Brückenschläge über die Jahrhunderte, das bei aller Präzision und Komplexität die Lesbarkeit und Unterhaltsamkeit nicht dem terminologischen Hermetismus aufopfert und damit in der deutschen Wissenschaftsliteratur eine Ausnahmestellung besitzt.
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