BEWERTEN
 

The Dave Graney Show

»Kiss Tomorrow Goodbye«

[Cooking Vinyl / Indigo / VÖ: 29.01.2001 ]

Text: Autor unbekannt

„Kiss Tomorrow Goodbye“ ist für mich zunächst einmal ein Film Noir von 1950 mit James Cagney, der - wie so häufig bei Cagney - Aufstieg und Fall eines psychopathischen Gangsters skizziert, bei dem allerdings - im Gegensatz zu beispielsweise „White Heat“ - die Personenzeichnung ziemlich flach bleibt. Die Musik auf dem Debüt der neuen Formation des australischen Ur-Gesteins Graney, die häufig wie eine Kreuzung aus den Go-Betweens und Nick Cave mit einem gehörigen Schuss Americana klingt und diese für australische Musik typische Durchsichtigkeit besitzt, ist aber keineswegs so flach wie der Filmplot. Mit ihren düsteren Anklängen liefert sie eher den Soundtrack zu einem Neo-Noir à la „Chinatown“ oder „Taxi Driver“.

Das „Show“ im Bandnamen – es ist Programm. Die Band nennt das Psychedelic Loungecore. Und so hört es sich auch an: nach blauen Flecken und durchzechten Nächten in einer Großstadt, in der alle um Identität ringen und dir morgens um vier Robert Mitchum, von Frauen enttäuscht und mal wieder nur an Lebenserfahrung reicher, an den Tresen gegenübersitzt. Und Graneys sonor-verrauchte Stimme transportiert genug Lebenserfahrung, um Songtitel wie „Drugs Are Wasted On The Young“ glaubwürdig rüberzubringen. Noch mal das gleiche, Barkeeper.



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