BEWERTEN
 

Him 044

»Our Point Of Departure«

[Perishable / Fat Cat / EFA]

Text: Autor unbekannt

Gibt’s nicht schon eine Band ähnlichen Namens? Wundert mich indes keineswegs, dass die Hochglanztitelseiten mit dem Konterfei des Frontmannes dieser in den Manierismen der Gothic-Rock-Leichen herumfleddernden und sie fast-food-culture-kompatibel wieder synthetisierenden Band ihren Weg nicht in die Hände dieses Abstract-Jazz-Kollektivs fanden. Denn das sind Virtuosenhände, Musikerhände, etwas, wovor mir graust mithin, da Musiker Musik mit Vorliebe nach dem Verhältnis von Ausführung und Schwierigkeitsgrad beurteilen und somit für Gespräche über Pop-Musik (bei der es um die Idee und nicht die Virtuosität ihrer Umsetzung geht) meist gestorben sind.

Könnt ihr mir einen erotisch validen Menschen nennen, der Jazz hört? Egal, das hier ist eines der wenigen Beispiele für Free Jazz, der groovt. Es trompetet wie die Hölle, ein Bass, den die Hand Gottes liebkost, stimuliert ohne zerebralen Umweg direkt den Unterleib, das Beste aber sind die perkussiven Hexereien Jon Theodores, der zwecks Studium bei diversen Voodoo-Drummern längere Zeit in Haiti weilte. Ja, das ist in atonaler Desorientiertheit schwelgender Voodoo-Pop, der entschädigt für all den Verrat an elementaren Lebensimpulsen, den die Chicago-Jazz-Szene in ihrem gnadenlosen Logozentrismus beging.



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aus Intro #81 (Februar 2001)
 
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