BEWERTEN
 

Tokyo Ska Paradise Orchestra

»Full Tension Beater«

[Grover / EFA / VÖ: 19.12.2000 ]

Text: Autor unbekannt

Auch die wenigen unter uns, die keine intimen Kenner der japanischen Ska-Szene sind, werden, wenn sie “japanischer Ska” hören, irgendeine Klangvorstellung haben bzw. sich per Erwartungshaltung eine machen. 95% werden sich sicher nicht denken: “Das ist bestimmt so wie Specials mit unverständlichen Texten”, sondern: “Das ist bestimmt anders, irgendwie ... schräger.” Warum? Na ja, von Deutschen erwartet man im Ausland Sinistres, von Japanern eben Ausgeflipptes. Beides nicht ganz zu Unrecht, schon allein wegen der normativen Wirkung des Klischees auf kulturindustrielle Produkte. Und was ist mit dem Tokyo Ska Paradise Orchestra, den laut Info “seit 1989 agierenden japanischen Superstars”? Ist das jetzt eine gewöhnliche Ska-Band? Nein, ist es nicht.

Das kann man schon an der Liste der Lieder auf “Full Tension Beater” sehen, die - statt Ska-Klassikern oder Gängigem aus der Gebrauchsmusik - Kompositionen von Dizzy Gillespie und Duke Ellington beinhaltet. Auch die eigenen Stücke unterstreichen den Anspruch, stilistisch und handwerklich über Ska hinauszugehen. Die sonst typische - und auch erwünschte - Monotonie wird vom bis zum Geht-nicht-Mehr versierten und actionhungrigen Orchester nicht zugelassen. Bereichernder Baustein ist eindeutig Jazz, und zwar in vielen Spielarten, Easy Listening ist ebenso zu hören wie Broadway-Taugliches oder recht brutale, an Naked City erinnernde Klänge. Für jemanden, der sich für Interessantes interessiert, ist fast alles hörenswert, für Rude-Boys wohl fast nichts.



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