BEWERTEN
 

Signs And Wonders

»Frankreich 1999«

[R: Jonathan Nossiter; D: Stellan Skarsgård, Charlotte Rampling, Deborah Kara Unger; 15.02.]

Text: Autor unbekannt

Alec Fenton ist ein seltsamer Mann. Der sympathische Amerikaner steht in einer merkwürdigen Beziehungslosigkeit zu seiner Umwelt, nimmt sein Dasein als eine Welt des Wunderns hin und fällt seine Entscheidungen nach arbiträren Omen. Überall nimmt er hintergründige Muster wahr, sei es in der Gestalt dreier Pizzaboten, gleichförmiger Gullideckel oder von Mosaiktapeten, die ihn dann auch mal zu Börsentipps inspirieren. Auf diese Tour entfremdet er sich zusehends von seiner Frau, die er schon einmal für eine andere verlassen hatte. Mal abgesehen von seiner kleinen Tochter, die seinen obsessiv-kindlichen Blick für das Verborgene teilt, scheint ihm nicht viel an Beziehungen zu liegen.

Das ändert sich jedoch eines Tages, als ihm seine Frau eröffnet, einen neuen Mann kennengelernt zu haben. Wieder bemüht Alec die Zeichen.
Ein Psychothriller von der Stange ist Jonathan Nossiters atmosphärisches Kleinod jedenfalls nicht. Keine Brutalitätsorgien, keine dunklen Straßen, keine Irren. Und noch was: der komplette Film ist auf Video gedreht! Absichtlich! Die daraus resultierende Unmittelbarkeit ist einer der Gründe, die ihn zu etwas Besonderem machen, und doch ist „Signs And Wonders“, lässt man sich erst einmal auf die ungewöhnliche Erzählstruktur ein, mehr als ein „Blair Witch Project“ mit Handlung. Neben der Optik tut der fantastische beklemmende Soundtrack von Adrian Utley (Portishead) ein übriges, um einen ganz in die Welt von Alec – hervorragend: Stellan Skarsgård- zu schleudern, aus dessen fein austariertem Charakter der Film seine größte Faszination entwickelt. Bemerkenswert auch Nossiters Gespür für den Ort, wenn er mit Athen einen Stadtmoloch am Rande des Infarktes auf die Leinwand bringt, der passender als emotionale Landkarte Alecs nicht sein könnte. Ohne visuelle Pyro-Effekte oder inszenatorische Action-Versatzstücke gelingt es dem Regisseur, etwas völlig Innovatives und Intelligentes auf der Basis des reinen Zuhörens und Zusehens zu kreieren, das zu keiner Zeit an die Abfertigungen in einem Berieselungsplexx erinnert. Mit „Signs And Wonders“ kann man dieser Tage einen Film sehen, der einen zur Abwechslung nicht auffordert, sein Gehirn an der Kasse abzugeben. Es geschehen noch Zeichen und Wunder!



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aus Intro #81 (Februar 2001)
 
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