BEWERTEN
 

Mark B & Blade

»The Unknown«

[Source / Virgin / VÖ: 26.10.2000 ]

Text: Autor unbekannt

Es war einmal in Amerika - dann setzte sich der Siegeszug in Frankreich fort, und selbst in Deutschland hat man HipHop und die eigenen HipHopper liebgewonnen. Nur die britischen MCs, DJs, Graffitikünstler und Breakdancer sehen in der Publikumsgunst gegen Robbies und Britneys, gegen pickelige Brit-Popper, verstrahlte Bigbeat-Posses, Elektrofrickler, Two-Stepper und natürlich gegen Drum’n’Bass wenig Land.
So nehmen sich die HipHop-Veteranen Mark B und Blade als “The Unknown” kurzerhand selbst auf den Arm. Zehn Jahre Untergrund, na und? Blades schnoddrigen Hochgeschwindigkeits-Rebel-Raps (früher galt er mal als “weißer” Chuck D) und Mark Bs innovativ jazzigen Beats (speziell auf Jazz-Fudge-Releases, 1995-98) gehören zum Feinstem, was in UK an HipHop ausgespuckt wurde.

Zusammen kommen sie sich nun entgegen: Blade drosselt ein wenig sein Raptempo, und Mark B zieht - wie kürzlich schon mit Task Force (“New Mic Order”, K’boro, 1999) - das Tempo mit Scratch-Traktaten der flinken Hände von Prime Cuts, Mr Thing und Plus One sowie durch mit schweren Bassgrooves, Bläsern und Streichern aufgepeppten Beats teilweise an. Und ein paar Garde-MCs wie Lewis Parker, Rodney P und Al Tariq sind bei all dem auch noch im Spiel. Feine Sache, sehr solide, nur irgendwie schaffen sie es nicht, sich entscheidend vom (nord-) amerikanischen HipHop abzusetzen, und nörgeln für meinen Geschmack ein bisschen viel rum.
Eine seit Jahren konstant und erfolgreich an neuen Lyrics, Beats und Sounds arbeitende Adresse ist das von Will Ashon geführte HipHop-Sublabel von Ninja Tune, Big Dada. Nach der “Blackwholestyles”-Compilation und Roots Manuvas “Brand New Second Hand” obliegt dem in London lebenden Multitalent Ty, der als MC im letzten Jahr an den herausragenden britischen Alben von The Nextmen und den Unsung Heroes beteiligt war, die Ehre, sein erstes Album und damit das dritte für Big Dada zu veröffentlichen. “Awkward” ist eine brillante Mischung aus frischen, variablen, meist ruhigeren Beats mit einer insgesamt sehr organischen musikalischen Masse aus entspannten Vibes, afro-futuristischem Funk, gutem alten Soul, dezenten Jazzeinflüssen, Dubsounds und, teils live eingespielten, traditionellen afrikanischen Klängen und Melodien. Die Stärken sind jedoch Tys alles überragender, tiefer, komplexer, von Reggae benetzter Flow sowie seine positive Lebensanschauung und die daraus resultierenden humorvollen Geschichten von den Hochs und Tiefs des alltäglichen Lebens. Sehr cool und übrigens mit hochkarätigen Gästen wie den Unsung Heroes, DJ Bizness, DJ Pogo und DJ Shortee Bliz besetzt.



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