BEWERTEN
 

Vorsprung durch Technik

»Britpop«

[Motor / Universal / VÖ: 26.11.2001 ]

Text: Autor unbekannt

Elektrorock mal etwas anders: statt mit gigantischen BigBeats und bös verzerrten Bässen durch die Lautsprecher zu poltern und so eine Art Schweinerock bzw. Prollcore ohne Gitarren zu inszenieren, gehen die beiden Niederrheinländer Wollschläger und Betten die Sache um einiges lockerer, cleverer und bisweilen sogar krautig-psychedelisch an. Auch wenn die für elektronische Musik sensationell kurze Produktionszeit von gerade mal zwei Wochen eher eine Sammlung halbfertiger Klangskizzen vermuten lässt - reife, ausgearbeitete Songs dienen sich hier dem Hörer an. Man muss halt aufhören (weiterzubasteln), wenn’s am schönsten ist. Dachten sich die beiden Ex-Mitglieder der Düsseldorfer Wave-Band They Fade In Silence und beließen das Material in seiner noch etwas rauhen, ungeschliffenen Direktheit.

Mehr als diese haben die Songs auf “Britpop” aber auch nicht mit dem Namensgeber zu tun. Das Album ist ein Streifzug durch die unterschiedlichsten Stile aktueller elektronischer Musik wie Techno, House, Dub, Ambient und Lounge Music sowie durch die Popgeschichte der letzten Jahrzehnte. Der Opener “Das Labor” beispielsweise überrascht nach einem langen sphärischen Intro, das an Pink Floyd zu “Wish You Were Here”-Zeiten erinnert, mit stampfenden Techno-Beats und verspielten Synthi-Linien. “Ozonkiller”, die erste Single-Auskopplung, ist mit lockeren Offbeats und verspielten Bleeps&Clonx ein fantastischer Tanzflächenfüller, während das darauffolgende “Anybody Zu Hause?” mit verhaltenen leichten Beats und schwerelos kreisenden Ambient-Mäandern eher zur meditativen Selbstversenkung einlädt. Ähnliches gilt auch für den entspannt groovenden Dub-Track “Solar” – warm pulsierende Basslinien, leise Akkorde auf der Synthi-Orgel und der sanfte Sprechgesang eines MC lassen die Couch zum Strandkorb und das schale Kölsch zum Caipirinha werden. Der Anspruch des Projekts, elektronische Musik im Song-Format zu produzieren, wird beim elegant loungigen “Cirrus” und dem funkigen “James Dean”, bei denen Sänger Paul Dudley zum Einsatz kommt, am deutlichsten. “Britpop” ist Musik für den Bauch, fürs Hirn und für die Beine – und mit seinen zahlreichen chilligen, psychedelischen Momenten auch der ideale Soundtrack für den nächsten BtMG-Verstoß.



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