BEWERTEN
 

Paul Kalkbrenner

»Superimpose«

[Bpitch Control / Neuton / VÖ: 19.03.2001 ]

Text: Autor unbekannt

Wie in keiner anderen deutschen Großstadt bietet in Berlin ja ungebrochener Techno-Techno ohne mehr Anspruch als Detroit und Abfahrt noch ein ernsthaftes Identifikationsmodell. Ein Modell ohne Konzept- oder Kunstansätze, an dem sich jetzt schon eine Generation von nachwachsenden Produzenten voller Inbrunst säugt. Dazu gehört wohl auch der 23jährige Paul Kalkbrenner. Pauls Debütalbum “Superimpose” auf Ellen Aliens Haupstadtlabel Bpitch Control ist aber etwas anders als beispielsweise die Kollegen vom Tresor: sanfter, diverser, ohne dabei die Party aus den Augen zu verlieren - wie man es ja schon seit jeher von der US-Mutterstadt mit dem großen D lernen konnte.

Mit einem hochtrabenden Gedicht von Erich Fried über den Verfall der Gesellschaft (“Wer sich noch immer nicht krank fühlt an dieser Zeit, in der wir leben müssen, der ist krank.”) wird das Ganze zum Start kurz mit - ziemlich simpler - Kritiktheorie aufgeladen. Dann aber läuft einfach die Metroplex-Party ab, von moody Tech-House und schlanken Minimalmodellen über schnarzenden Knurspel-Electro und momentan ja moderne Breakbeattracks bis zu auch mal kleinen Acidschleifen - selbstverständlich alles mit genug Wumms untenrum ausgeführt. So findet hier jede und jeder Andockpunkte und Identifikationsmöglichkeiten. Jedenfalls mehr als nur eine Toolsammlung, und auch mehr als einfach nur wieder “Berlin-Techno”, wie man ihn so oft aufs Ohr bekommt.



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