BEWERTEN
 

Der Rabe Nr. 60

»Der Punk und Bärte Rabe (hrsg. von Max Goldt u. Tex Rubinowitz)«

[Haffmans Verlag, 189 S., DM 16,-]

Text: Autor unbekannt

Im Grunde wäre die Thematik Punk vs. Bärte durch das folgende Joe-Strummer-Zitat schon zur Genüge umrissen: “Unser Hass auf Hippies, meine Wut auf das Establishment: Zum Teil war es einfach schlechtes Benehmen. Den Tontechnikern der Londoner Wessex Studios gaben wir nicht mal die Hand. Warum nicht? Die trugen Bärte und lange Haare. Bärte waren der Feind.” Weshalb sollte man nun also den “Punk und Bärte”-Raben über dieses Zitat hinaus lesen? Ist doch schon alles gesagt: Der Punk verachtet die ungepflegten Gesichtszottel der verkifften Hippies und somit auch deren Musik mitsamt den unsäglichen Never-ending-Gitarrensoli. Deshalb als Reaktion ab 1977 die dosenbierversoffenen Punks mit unglaublichen Haupthaarkreationen inklusive dem Sounddreck auf ungestimmten Instrumenten.

Weshalb also?! Zumal die Hippies von damals heutzutage frisch barbierte Bombenminister abgeben, während Punk soooo einen Bart hat und einen bestenfalls um “‘ne Mark” anquengelt. Machen wir es uns einfach und sagen, weil Max Goldt und Tex Rubinowitz das dürfen. Einfach so! Und weil sie sich die Mühe gemacht haben und nur die feinsten Texte von den besten Autoren für diese Anthologie zusammengestellt haben: Wolfgang Müller tut daher das, was er am besten kann, sich nämlich an die tollen Zeiten mit der Tödlichen Doris erinnern. Der Berliner Kunstbiertrinksteller Thomas Kapielski schreibt über ebendies und somit über sich selbst. Elektrogitarrist Eugen Egner kann sich einmal mehr nicht entscheiden, ob er besser schreiben oder malen kann. Verwirren tut er allemal. Und nicht zu vergessen sind die genialen Spitzfindigkeiten von Onkelchen Goldt und die liebevollen Kritzeleien von Rubinowitz! Nach abgeschlossener Lektüre möchte man jedenfalls dem Aufruf von Goldt folgen, die alten Punk-Singles verkaufen und versäumte Bildung erwerben: “Oder wollen wir etwa den ganzen langen Lebensherbst lang noch immer über diesen öden Popkultur-Quatsch reden?”



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aus Intro #81 (Februar 2001)
 
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