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»Frankreich/Italien 1999«
[R: Raúl Ruiz; D: Marcello Mazzarella, Emmanuelle Béart, Catherine Deneuve, John Malkovich; 18.01.]
Text: Autor unbekannt
Marcel Proust liegt in den letzten Zügen. Besessen von der Literatur, schreibt er noch auf seinem Sterbebett an seinem letzten Werk. Sein Roman verkörpert sein Leben, die Romanfiguren sind seine Freunde, Bekannten und Verwandten, die er ein letztes Mal vor seinem geistigen Auge Revue passieren lässt. Ruiz adaptiert den Roman „Die Wiedergefundene Zeit“ aus Prousts Romanzyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, und getreu der Vorlage hat der Zuschauer mit unzähligen Charakteren zu kämpfen, die alle irgendwie miteinander verwandt, verschwägert, verbandelt oder zumindest verfeindet sind. Besonders irritierend ist, dass die meisten Figuren nicht einfach Joe heißen und das Essen bringen, sondern häufiger auftauchen und wiedererkannt werden möchten.
Durch unzählige Flashbacks und Wirrungen droht man schnell vollends den Überblick zu verlieren, wenn man sich nicht volle 157 Minuten konzentriert und ein fotografisches Gedächtnis mitbringt. Abgesehen davon kann man sich auf eine bemerkenswerte Ausstattung und Ricardo Aronovichs meisterhafte Kameraführung freuen, unkonventionell und sehr kunstvoll, wenn auch etwas anstrengend. Durch teilweise bewegliche Kulissen wird eine Künstlichkeit aufgebaut, die das überzogene Verhalten der Figuren stilistisch widerspiegelt. Die illustre Besetzung verspricht nicht zuviel: John Malkovich besticht als schrulliger homosexueller Baron, stets am Rande des Wahnsinns, zynisch und besitzergreifend, aber dennoch liebenswert; Hauptdarsteller Mazzarella, der gleichzeitig als Erzähler fungiert, hebt sich durch seine zurückhaltende Art von den anderen Darstellern ab und schlägt so die Brücke vom verdutzten Publikum zur überdrehten High Society des frühen 20. Jahrhunderts. Satirische Überzeichnungen und chaplineske Scherze lockern die angespannten Nerven der überkonzentrierten Zuschauer gnädigerweise zwischendurch mal auf. Es ist sicherlich von Vorteil, die Romanvorlage zu kennen, um dem Geschehen besser folgen zu können, aber es kann durchaus auch als sportliche Herausforderung angesehen werden, aus dem Kino zu kommen und wirklich alle Figuren auseinanderhalten zu können.
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