BEWERTEN
 

Rage against the Machine

»Renegades«

[Epic / Sony / VÖ: 22.07.2002 ]

Text: Autor unbekannt

Was für einen Beweggrund mag eine Band wie Rage Against The Machine eigentlich haben, mit einem Album voller Coverversionen den Abschied vom legendären Line-up mit Front-Ikone Zack De La Rocha zu begehen? Der nächstliegende, nämlich, mit einer Platte voller alter Proberaum-Aufwärmer bequem die Zeit bis zum nächsten Longplayer von eigenen Autorengnaden zu überbrücken, scheidet hier angesichts der fast schon messianischen politischen Integrität der Band aus. Genauso wie der, einfach just for fun altvorderen Helden und Einflussgebern Tribut zu zollen. Sicherlich war auch das im Spiel, im Vordergrund stand aber, die Gratwanderung zu wagen, die Coverversionen im Idealfall darstellen sollten: Klassiker nämlich nicht wider die Intention des Originals zu interpretieren und doch eine eigene künstlerische Identität zu offenbaren und so etwas völlig Neues zu schaffen.

Gelungen ist ihnen dies besonders beim Stones-Klassikers “Street Fightin’ Man” und beim Bob-Dylan-Remake “Maggie’s Farm”.
Mick Jaggers Gesangslinie, die mit ihren zwei sich stetig wiederholenden Tönen an eine Polizeisirene gemahnt, wurde zugunsten melodiefreien Sprechgesangs anstelle des ursprünglichen Chuck-Berry-Riffs an die Gitarre übergeben. Natürlich leicht korrigiert, denn in South Central klingt das Martinshorn natürlich anders als im London der späten Sechziger. Ansonsten ist die musikalische Herkunft des “Street Fightin’ Man” eigentlich nur noch am Text zu erkennen, und selbst der wurde – bei dieser Band ja naheliegend – flugs auf heimische Verhältnisse umgedichtet: “Cos in sleepy L.A. town ...”
Bob Dylans alte Traditional-Adaption von 1965 wurde unter den Händen von Tom Morello und Co. ein böse groovender, kraftvoller RATM-Song, der sich ebenfalls sehr interessant von der Vorlage unterscheidet. Natürlich liegen auch hier die üblichen dramatischen Wechsel zwischen ruhigen, lauernden Momenten und den unvermeidlich darauffolgenden Wutausbrüchen vor, aber insgesamt hebt sich “Maggie’s Farm” nicht zuletzt durch die etwas untypischen Klänge ziemlich vom üblichen Sound der Band ab.
Der Rest des Albums kommt zwar sehr hörenswert, setzt sich aber zu oft ein wenig unoriginell und hausbacken in Szene: die beiden furiosen Proto-Punk-Rocker “Down In The Street” von den Stooges und MC5s “Kick Out The Jams” kicken zwar ordentlich, aber das taten die Originale, die hier fast 1:1 kopiert wurden, schon vor 30 Jahren. Fazit: ein Muss für jeden Fan, ein Vielleicht für den Gelegenheits-Konsumenten.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
 
Anzeige
 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •  
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]