BEWERTEN
 

South San Gabriel

»Songs / Music«

[Munich Records / VÖ: 12.03.2001 ]

Text: Autor unbekannt

Immer diese Suizidalballadenhäufung zur Winterzeit. Dabei ist das die einzige Jahreszeit, in der sich existieren lässt, und es ist der Winter, nicht der Sommer, dem das Attribut Liebessaison zukommt. Kälte macht Friktionswünsche entstehen und treibt die Menschen einander in die Arme. Balladen also - dezentes Piano, das mit jedem Ton Vergeblichkeit denotiert, warme Old-School-Synths hier und da, mutterseelenalleine Violinen, allerlei geschmackvoll eingesetzte Hintergrundnoises, eine klagende Slide-Gitarre -, wunderschöne Balladen für nachdenkliche, überempfindliche Gemüter, die zur Vita contemplativa neigen. Der Haken? An einem besonders rostigen scheint Singer/Songwriter Will Johnson zu hängen, bei so viel triefender, getretener Köterigkeit, wie ihm hier die verbitterten, erlösungs- und kussbedürftigen Lippen hinunterrinnt.

Vielleicht klingt so aufgesetzt verzweifelt, so hanebüchen mit beiden Händen die eigene Seele auswringend, wer wirklich verzweifelt und daher sublimationsunfähig ist? Dagegen spricht jeder nichtvokale Ton dieser geschmackvoll arrangierten, dunkel funkelnden Platte. Ist es die amerikanische Popkonvention, die Leid mit Jammerigkeit übersetzt? Dagegen spricht die Möglichkeit eines Projektes wie Plush. Noch heute werde ich an Liam Hayes einen Brief mit der Bitte um vollständiges Covern aufsetzen.



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