BEWERTEN
 

Dr T. & The Women

»USA 2000«

[R: Robert Altman; D: Richard Gere, Helen Hunt, Farrah Fawcett, Laura Dern; 25.01. / VÖ: 23.03.1998 ]

Text: Autor unbekannt

Hollywoods (von Männern bestimmtes) Frauenbild ist meistens abgesteckt eindimensional - was allerdings niemanden wirklich überrascht. Enttäuschend ist allerdings, dass Altmeister Robert Altman die gängigen Klischeevorstellungen übersteigert und sich daraus - wie eine Hausfrau ein Festtagstischgedeck - einen ganzen Themenfilm dekoriert: Schablonenhaft und spießig erzählt er von Frauen in ihrem Mikrokosmos Frauenarztpraxis, den er sich nach seiner Vorstellung zurechtbastelt. Nichts Neues für Altman: schon in „Eine Hochzeit“ (1978) kreierte er ein ähnliches Frauen-Stereotyp wie hier. In einer vage vor sich hin trudelnden Handlung präsentiert Altman zwar nicht tratschende Waschweiber, aber jede Menge aufgetakelte Frauen der Oberschicht, die vorzugsweise in der Praxis des Gynäkologen Dr.

Travis rumzicken, keifen und sich gegenseitig ein Bein stellen. Frauen wie die reiche Arztgattin (Farrah Fawcett), die alles hat und aus Langeweile in ein Kindheitsstadium zurückfällt. Oder wie ihre zwei Töchter, die eine eine cheerleadernde Strahlefrau mit Heiratsabsichten, die andere ein pflegeleichtes Mädchen, das sich aus mangelnder Zuwendung den JFK-Verschwörungstheorien widmet. Und dann sind da noch die hysterisch aufgedonnerte Tante mit Hang zu Champagner samt ihren püppchenhaft ausstaffierten Kids, die aufopferungswillige Sprechstundenhilfe von Dr. Travis, die sich an den Doktor im Negligé unterm Kittel ranmacht.
Die Frauen in „Dr T. & The Women“ schlingern auf ihren Stilettos durch die Edeleinkaufspassage und leben in einer Welt, in der sich alles um den Kauf von Designer-Outfits, die Vorbereitung von Hochzeiten und ähnlich weltbewegende Ereignisse dreht. Die einzige, die sich nicht anpassen will, trägt konsequenterweise auch als einzige Hosen (Oh Gott, wie tief kann man als Regisseur nur sinken, um mit derartigen Klischee-Abgrenzungszeichen zu arbeiten?): die Ex-Profi-Golferin Bree (Helen Hunt). Und genau von ihr ist der farblose Richard Gere (Dr. Travis) angetan. Gere bekommt allerdings selbst im größten Chaos nicht mehr Mimik hin als dieses gleichmütige, buddhistisch angehauchte Lächeln, mit dem er uns so quält.
Mit ähnlich aussagekräftigen Probleme wie denen in „Dr T. & The Women“ wurden wir bereits konfrontiert: damals in den 80ern in Jet-Set-Serien wie „Reich und Schön“. Selbst im Mainstreamfilm geht es mittlerweile okay, wenn es sich die Braut vor dem Altar noch mal überlegt und nicht mit einem anderen, sondern mit einer anderen durchbrennt. Wie unspannend.



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aus Intro #81 (Februar 2001)
 
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