BEWERTEN
 

Transmusicales Festival

»Whiskey, Twin Peaks und die Folgen«

[30.11.-02.12.00 - Rennes F]

Text: Autor unbekannt

Zum Transmusicales Festival zu fahren hat etwas von Urlaub, so entspannt und unaufdringlich geht es in Rennes zu. Die Veranstalter sind mehr als bemüht, der vertretenen Presse den Aufenthalt angenehm zu gestalten. Wo sonst werden nachmittags nicht nur Pressekonferenzen mit allen auftretenden Künstlern veranstaltet, sondern letztere auch noch von einem derart kompetenten Übersetzer betreut, der die schlechten Fragen einfach durch bessere ersetzt? Das und die Güte der anwesenden Künstler sorgten dafür, dass die „Freizeit“ gegen Null ging. Denn kaum war der Pressekonferenzmarathon absolviert, betrat in einem der vier Veranstaltungsorte auch schon eine Band die Bühne, beispielsweise Plastinia Mosh, Goldfrapp, Benjamin Diamond, At The Drive-In, De La Soul, Senor Coconut, Thievery Corporation, Trail Of Dead, The (International) Noise Conspiracy, Anti Pop Consortium und People Under The Stairs.

Zu viele, um hier auf jede ausführlicher einzugehen, deshalb hier nur meine jeweiligen Tages-Highlights: Am Donnerstag der Auftritt von Guru. Es galt, das hervorragende Jazzmatazz-Album „Streetsoul“ zu präsentieren – und dementsprechend waren Gäste geradezu Pflicht. Und besser hätten sie nicht sein können: Angie Stone, Herbie Hancock, Bilal und Les Nubians. Besonders frenetisch gefeiert wurden dabei die Pianoaktivitäten von Herbie Hancock, die seine eher müde und betont selbstgefällige Performance bei der nachmittäglichen Pressekonferenz vergessen ließen.
Der Freitag stand ganz im Zeichen von Saul Williams. Der Slam Poet, Schauspieler und Musiker kam, sah und diktierte bei der PK die Worte in einem nicht enden wollenden (und sollenden) Fluss in die Mikros. Worte über falsche Inhalte im HipHip, die Bedeutung sozialer Interaktion, die Welt, die Politik, den Körper ... Später am Abend überzeugte er im Liberté Haut mit einer fast unglaublichen Synthese aus HipHop und Rock, in der sich SunRa und Hendrix genauso begegneten, wie Michael Jackson für eine Coverversion hereinschaute.
Am Samstag starteten die Shows besonders früh – und einladend – mit Auftritten von Louie Austen und Khan im Antipode. Der Wiener Barsänger erzählt in seinen Songs charmant-lakonisch von seinen Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht, von den guten, den schönen genauso wie von den abgründigen, den miesen, den herzzerreißenden - immer begleitet von einem kongenial abgestimmten Soundscape. Höhepunkt des Sets war natürlich „Hoping“, das „One More Time“ aus Österreich. Die anschließende Pressekonferenz nutzten Kollege Lehmkuhl und ich für einige Fragen - und reduzierten dabei den Whiskeyvorrat von Austen & Khan. Khan trat danach mit Julee Cruise of „Twin Peaks“-Fame auf. Zunächst rockte er allein das Haus bzw. mit einer Frau aus dem Publikum, die bei „Pony“ erst auf ihm reiten durfte, um danach Khan durch die Gegend zu tragen. Als der Gaul schlapp machte, durfte die Queen of Lynch-Trash die Bühne betreten - und, wow: sie hat nichts von ihrem verruchten Crazy-Horse-Glanz verloren. Dirty Words über polyrhythmische Arrangements. Und zum Schluss gab es noch den „Twin Peaks“-Titelsong. Die anschließende PK sollte sich wieder lohnen. Nicht nur, dass die Whiskeyvorräte aufgefüllt waren, nein, auch diese beiden Künstler liefen zu Höchstform auf. Wir erfuhren, dass die gemeinsamen Stücke in Khans Appartement in der Avenue C entstanden sind, während draußen die Nutten schrien – kann alles auf den Matador-Releases nachgehört werden, denn Khan lässt grundsätzlich das Fenster offen ...
Und sonntags ging’s nach Hause.

Wer es noch genauer wissen will, liest das Online-Tagebuch vom Transmusicales Festival 2000. [Klick]



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aus Intro #81 (Februar 2001)
 
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