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»Soupsongs Live - The Music Of Robert Wyatt«

[Jazzprint / EFA]

Text: Autor unbekannt

Alle Jahre wieder ... kommen Musiker zusammen, um sich vor dem Schaffen des “größten lebenden Soulsängers Englands” (nach Karl Lippegaus) auf eine Weise zu verbeugen, dass allein dadurch die langen Pausen zwischen Wyatts eigenen Platten bestens gefüllt werden. Suchte man einen Vergleich für das, was auf diese Weise passiert, liefe es wohl auf die komplexen Resonanzräume radikaler Dub-Sounds hinaus. Während Wyatt also nicht zuletzt gesundheitsbedingt sporadisch neu aufnimmt - zuletzt in Zusammenarbeit mit alten Freunden wie Phil Manzanera oder Paul Weller (“Shleep”) - und in einer früheren Werkphase Fremdkompositionen durch Integration in sein Werk (als Cover-Version) “politisierte”, haben The More Extended Version und/oder Capt.

Kirk & produktive Kontrapunkte gesetzt, indem sie seinerzeit einerseits eine ästhetische Distanz (nennt es: Respekt) zum Material wahrten, andererseits ihrerseits Fremdmaterial in das Repertoire integrierten. Letzteres geschieht auf “Soupsongs Live” zwar nicht, dafür jedoch musizieren in der Band, die die Posaunistin Annie Whitehead zusammenstellte, eine ganze Reihe illustrer Weggefährten Wyatts, deren Geschichte wie im Fall des Saxofonisten Didier Malherbe (Gong) teilweise bis in die Zeit der Canterbury-Szene zurückreicht. Auch Harry Beckett, George Khan und Phil Manzanera wirkten bereits an den Mittsiebziger-Klassikern wie “Ruth Is Stranger Than Richard” mit, während der Kontakt zur Whiteband auf die Zeit von “Shleep” datiert. Mit Ausnahme ausgerechnet des Jazz-Albums “The End of An Ear” bietet das Doppelalbum eine ausgedehnte Passage durch das gesamte Solo-Werk Wyatts (das in dieser Perspektive allerdings nur eine kurze Zeit de facto ein Solowerk gewesen ist), hier in jazzigen Arrangements, was den meisten Songs ganz interessante Nuancen verleiht und nur selten, wie im Fall von “Free Will And Testament”, dem Original durch eine hymnische Tendenz unnötigerweise einige melancholische Ecken abschleift. Wyatt selbst bezeichnet “Soupsongs Live” in den Linernotes als eines der schönsten Wyatt-Alben, was nicht nur von einem gesunden Selbstvertrauen zeugt, sondern tatsächlich mehr als eine Geste kollegialer Freundlichkeit ist.



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aus Intro #81 (Februar 2001)
 
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