BEWERTEN
 

Rupert Weinzierl

»Fight the Power. Eine Geheimgeschichte der Popkultur & die Formierung neuer Substreams«

[Passagen Verlag, 286 S., DM 64,-]

Text: Autor unbekannt

Pop als Chance für “mikropolitische Widerstandsbewegungen” sowie als Möglichkeit zu “kritischem Hedonismus”, Poptheorie als Abschied von der “Guerilla-Semiotik” der klassischen Cultural-Studies-Theorien, Popkultur als eine Zusammenschau von “Substreams”, Popsounds als entmystifiziertes und zugleich politisierbares Medium für die Artikulation gesellschaftlicher Befindlichkeiten - die Palette von Gedanken, die Rupert Weinzierl in der Einleitung seines Buches “Fight the Power” ausbreitet, ist eindrucksvoll und macht neugierig. Augenscheinlich ist da ein von den Möglichkeiten und Facetten von Popmusik geradezu durchdrungener, theoriefreudig-reflektierter Kulturwissenschaftler am Werk, der sich mit Gespür für Details anschickt, ästhetische, funktionale und politische Aspekte der Popkultur zu durchleuchten, bestehende Ansätze zu überdenken und weiterzuführen.

Bedauerlicherweise hält die Ausführung des Vorhabens in den folgenden Kapiteln des Buches auch nicht ansatzweise das, was die furiose, nicht ohne Gespür für sprachliche Extravaganz komponierte Exposition verspricht. Dass die Bourdieu-Kritik diffus bleibt und die immerhin dreißig (!) “Forschungshypothesen” zu einer Neubestimmung des Verhältnisses von Sub- und Mainstream-Erscheinungen nicht alle originell und innovativ sind, mag man noch hinnehmen. Die “empirischen Daten über neue temporäre Substream-Networks” sind hingegen ein echtes Ärgernis, dient die methodisch überaus fragwürdige Auswertung von spärlichen 43 Fragebögen offensichtlich mehr der Selbstbestätigung des Autors als einem auch im weitesten Sinn mit Forschung zu assoziierenden Zweck. Als geradezu dreist muss man den eigentlichen Hauptteil des Buches, die auf gut 100 Seiten ausgebreitete “Geheimgeschichte des Pop-Underground” (wieso nun eigentlich “Underground”?), bezeichnen. Jeglichen Zusammenhang mit dem Theorieteil entbehrend, entpuppt sich die undurchsichtige Rückwärts-Vorwärts-Chronologie als Geschmackszonen-Report über die Plattensammlung des Autors. Ob Asian Dub Foundation, Nancy Sinatra, Iggy Pop, die Sex Pistols oder Roxy Music (eine von Weinzierl erstellte Liste mit den 100 “besten” Popalben befindet sich im Anhang) - nicht einmal ansatzweise gelingt eine über belanglos-geschwätzige Bekenntnislyrik hinausreichende Systematik. Ein nicht gerade preiswertes wissenschaftliches Buch ist zur Fanpostille mutiert.



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aus Intro #81 (Februar 2001)
 
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