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Britta

»Kollektion Gold«

[Flittchen Records / EFA / VÖ: 29.03.2001 ]

Text: Autor unbekannt

Zunächst mal: eine tolle Band. Die Weiterentwicklung vom Debüt “Irgendwas Ist Immer” zum zweiten, von Herman Hermann im französischen Blackbox Studio produzierten Album “Kollektion Gold” zeigt, dass es sich lohnt, überhaupt noch an einem Bandkonzept festzuhalten, wo es doch effektiver, billiger und weniger nervenaufreibend scheint, sich zu Hause sein elektronisches Heimstudio aufzubauen. Auch dank der dazugewonnenen Gitarristin Barbara Wagner und der neuen Keyboarderin Rike Schuberty (Contriva), mit denen Britta nach der Einfachheit der ersten Platte eine Zweidimensionalität erreichen, die den Bandsound abstrakter und gleichzeitig konkreter macht.

Dazu weiß die Bassistin Julie Miess, wie man sich einen eigenständigen Platz schafft, ohne auf die Nerven zu gehen.
Trotzdem fragt man sich, wozu dieser Erwachsenen-Sound gut sein soll. Ein verregneter Herbstnachmittag in Berlin, mit dem man nichts anzufangen weiß, außer festzustellen, dass alles, was übrigbleibt, nur ein Lied ist. Das kann doch nicht alles gewesen sein. Wo auf der ersten Platte noch augenzwinkernd “Postriot” draufstand, steht hier, in Zaubertinte verschlüsselt, “Post-Postrock”, oder wie im Info: “Rock, ohne das überall hinschreiben zu müssen.” Wo auf dem Debüt noch zögerlich nach dem eigenen Ausdruck gesucht wurde, haben sich Britta jetzt zwischen Berliner Wohnzimmer und Weilheim gefunden und heimisch eingerichtet. “Kollektion Gold” ist der Versuch, einen Ausdruck für die lyrischen Texte von Christiane Rösinger zu finden, die wirken, als schaue man durch eine Milchglasscheibe in das Wohnzimmer einer Dichterin, die auf ihrem Schaukelstuhl sitzt und das Fell ihrer Katze krault.
Sie schreibt davon, dass man nach einer durchzechten Nacht denkt, man wäre glücklich, bis einen jemand davon überzeugt, dass wir die traurigsten Menschen von Berlin sind. Wieso können wir nicht einfach weiterhin glauben, wir wären glücklich? “Es ist so bequem, so bohemy in crazy Berlin”, singt Rösinger in ihrer typischen, mit der Muttermilch aufgesogenen Ironie, um gleich hinterher diesen fast programmatischen Satz mit einem verzweifelten Kiekser zu brechen: “Can someone take me in his arms and rock me?” Doch es gibt viele gut eingefangene lakonische Momentbeschreibungen, die als Gedichte wunderbar funktionieren. In “Hingestreckt Von Einer Schönen Krankheit” heißt es: “jetzt noch ruhen, bis die Restvergiftung sich verflüchtigt”, und in “Das Alte Lied” einmal mehr die Geschichte des gebrochenen Herzens: “Sei einmal stolz und stell dich tot, ich deck dich auch schön zu.” Doch man hat mehr Lust, das zu lesen, als es zu hören, denn die Stimme von Christiane Rösinger bleibt in der Musik stecken, ohne sich darüber zu erheben. Die besten Momente auf “Kollektion Gold” sind die der Verwunderung, wenn surrealistische Lyrik auf krautig/psychedelische Musik trifft. Bei “Kaktus”, geschrieben von der Bassistin Julie Miess, geht diese Verwunderung mit der Musik Hand in Hand, und bei “Ho Chi Minh”, dem schönsten Stück der Platte, erreichen Britta eine Gelassenheit, die ihnen besser steht als die sich ewig wiederholende Traurigkeit der Großstadt. Rösinger singt tief und entspannt, wie aus einem Traum. Kein Bedauern, keine Wertung, keine Sentimentalität, sondern reine Erzählung. Und lakonisch erzählen kann sie am besten.



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