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Musiq Soulchild

»Aijuswanaseing (I Just Want To Sing)«

[Def Soul / Mercury Records / Universal]

Text: Autor unbekannt

Scratchen, um das Ohr zu öffnen. Aufmerksamkeit, der Schlüssel zu vielem in unseren so unaufmerksamen Tagen. Die Omnipräsenz von (fast) allem bringt nämlich das Problem mit sich, dass im Wirrwarr von gut/schlecht, nett/trivial die Wahrnehmungsgrenze verschwimmt und man sich blenden lässt oder – noch schlimmer, da nicht so leicht korrigierbar – etwas übersieht. Gerade im reanimierten Soul/R’n’B-Genre ist der Output zur Zeit enorm. Und so kann es passieren, dass selbst derart unterbemusterte Schreiberinnen wie ich eine CD über Wochen immer wieder vernachlässigen, nach unten auf den “Noch anzuhören”-Stapel legen, um sie dann beim romantischen Candle-light-Dinner mit dem sich extrem gut entwickelten Nachbarsjungen hervorzukramen – und sich am Ende des Abends mit ihrer Entdeckung über die zwischenmenschliche Enttäuschung hinwegzutrösten (liegt es vielleicht doch an mir, oder warum sind die Typen immer so scheiße?).

“Aijuswanaseing (I Just Want To Sing)” ist sicherlich nicht der nächste ganz große Wurf im Genre, aber ein angenehm solid-homogener. Der aus Philadelphia stammende Musiker kann sich zwar nicht von seinen Einflüssen (die gesamte Siebziger-Soul-Palette stand hier Pate: von Stevie Wonder bis zu Marvin Gaye) lösen, weiß sie aber mit der eigenen Seele zu belegen. Was hauptsächlich an der angenehm unaufdringlichen und dennoch präsenten, eindringlichen Stimme liegt. Die Arrangements sind Standard, setzen keine neuen Akzente und halten sich auch im Gestus eher zurück. Selbiges lässt sich auch für seine Texte sagen. Musiq sinniert über das heranreifende Nachbarsmädchen (tja, die Lebensentwürfe ähneln sich eben in Philadelphia und Herne 2), das von der “Tarzan und Jane”-Gespielin zum Objekt der Begierde heranreift, malt für ein anderes Mädchen das Bild vom partnerschaftlichen Kampf gegen die Welt und erzählt der dritten (von vielen imaginären Traumfrauen) die alte Schote vom “Wir können gute Freunde werden, wenn du mich nicht begehrst” – klar, und dann dürfen wir immer die zwischen nicht entladener Geilheit und sabbernder Anklage oszillierenden verständnisvollen Blicke ertragen. Aber auch die sind unten mit mir, denn es gelingt mir bei “Aijuswanaseing ...”, den Fokus einzig und allein auf den smoothen Klang zu lenken. Der Kopf wird nicht beansprucht – ist zwar extrem uncool, das so unreflektiert-flapsig hinzuschreiben, aber ehrlich: eben genau so, wie Soul sein sollte. Musiq hat also fast alles richtig gemacht, nur die deepe “Fallenlass”-Nummer, um mein gescheitertes Dinner zu verarbeiten, die fehlt. Vielleicht muss ich ihn mal einladen und kochen lassen.



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aus Intro #81 (Februar 2001)
 
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