BEWERTEN
 

Justin Larutan

»Das Attentat«

[Lautsprecher Verlag, 224 S., DM 27,90]

Text: Autor unbekannt

“Das Attentat ist ein Krimi und Popliteratur.” Und Popliteratur, so Justin Larutan, “erzählt mir alles über mich und meine kleine Welt.” Seine pointierten Erzählungen sind die kleinen Geschichten, die man in guten, leider meist sprachlos bleibenden Momenten so alleine in der Straßenbahn vor sich hin denkt oder mit all ihren Widrigkeiten erlebt. Gleichzeitig sind sie ironische Seitenhiebe auf das Szeneleben und das, was so Kappen tragende, Adidas-Gazellen beschuhte, 3-Streifen-Siebzigerjahre-Sportoberteil gehüllte, Trip-Hop-Boss-Hog-Sonic-Youth-Stereo-Total-Hörer mit Seitenscheitel oder Links-rechts-Zöpfchen zwischen 20 und 36 untergründigerweise so zu tun pflegen: Szene-Clubbing, Bier trinken, “Slam Poetry”-Lesungen besuchen oder Trash zu Kult hypen.

Geschickt verbindet Larutan Realität mit Fiktion und verwebt alltägliche Geschichten mit Diskursen um Kultur, Politik und Pop. Fantastisch ist beispielsweise das Wortscharmützel zwischen dem dauerarbeitslosen Horst und unserem Helden. Eine amüsante tour de force durch Neoliberalismus, historischen Materialismus und die Theorie der zweiten Moderne eines Herrn Ulrich Beck. Ein Höhepunkt des Romans ist die Sexszene mit Helen. Eine witzige und nette Montage von gutem Sex und kommentierender Fernsehwerbung. Der Ausruf “Schneeeeee-koppe” in Zusammenhang mit Oralsex wird mir jedenfalls nach diesem Buch zu einem geflügelten Wort werden. Leider wirkt die Sprache, in der erzählt wird, manchmal etwas hölzern, und wahre Satzungeheuer bleiben einem im Hirn stecken. Und wer - wie ich - die Neigung hat, Klammern zu überlesen (Entweder ist das Geschriebene wichtig, dann kommt es als ganzer Satz daher, oder es ist nicht so wichtig, dann kann es aber auch wegbleiben!), der wird so manches an Handlung und Kommentierung verpassen. Aus diesem Grund hätte ein etwas besseres Lektorat nicht nur dem Fluss des ansonsten hervorragenden Romans gutgetan, sondern auch die vielen Orthografie- und Tippfehler verhindert.



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aus Intro #81 (Februar 2001)
 
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