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Phoenix

»I Guess I Couldn't Live Without The Things That Made My Life It Is«

[03.11. - Berlin, Knaack]

Text: Autor unbekannt

Prenzlauer Berg, Knaack. “Wird schon nicht so voll werden. Die kennt doch kein Schwein.” - “Meinste? Hm.” Ziemlich schwer einzuschätzen, welche Reichweite das Phänomen Phoenix besitzt, vor allem bei nur drei Shows in Deutschland. Und dann: 400 oder 500 Leute, dichtgedrängt, warm und stickig ist es, aber nach dem Regen draußen wirkt das heimelig. Arte ist auch da und filmt - Anfang Dezember in “Tracks” zu sehen. Wohlan. Nach den interessanten, aber reichlich unsouveränen Montana Chromeboys (zweimal Stück abgebrochen, fast geheult) erscheinen Phoenix in Hemd und Krawatte. Nur hängt das alles etwas lotterig und ungebügelt an den französischen Schlaksen runter, der Friseur hat auch schon lange kein Geld mehr an ihnen verdient - Dandytum ist ihnen also nur bedingt zuzusprechen.

Achtziger-Poserrockgitarren von Soul, Pop, Country und E-Funk ablösen zu lassen ist auch nicht dandyesk. Phoenix haben Spaß in den Backen. Zwischendurch werden sie mal ungehalten, bocken: Mit dem Rücken zum Publikum fordern sie dieses auf, mehr Party zu machen. Sonst würde man gar nicht erst wieder loslegen. Okay. Die Stimmung, die im Publikum eh nicht unlocker war, legt in Sachen Legerness nach und stellt die smarten Boys zufrieden. Sänger Thomas Mars erinnert - wenn man denn Vergleiche bemühen möchte - ein wenig an Jarvis Cocker und Beck, seine Smartness an einen weißen Prince. Einmal scheint er an gebrochenem Herzen zu sterben, was das Lächeln auf unseren Lippen gefrieren lässt, dann lacht er wieder, und wir wissen, dass seine schmalen Schultern die Last des Lebens doch zu tragen vermögen. Er ist klar der visuelle Mittelpunkt, die Gitarristenbrüder Christian und Branco Mazzalai lassen ihm genauso wie Deck D’Arcy (Bass) und dem mir bis dato unbekannten Organisten Platz zu agieren, stehen muppetsmäßig mit Hohlkreuz grinsend und swingend auf der Bühne. Zum Ende singen alle zusammen “If I Ever Feel Better”, das von leichtfüßigem Pop zum Bassmonster mutiert. Schluck. Ich bin begeistert. Und als hätte man es geahnt, wird zitiert: “I don’t want your extratime ...” Genau. Kiss.



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aus Intro #80 (Dezember 2000 / Januar 2001)
 
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