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Sade

»Lovers Rock«

[Epic / Sony / VÖ: 01.03.2004 ]

Text: Autor unbekannt

Oh, je. Sade. Wie lang ist denn das schon wieder her? Acht ganze lange Jahre, da kam ihre letzte reguläre Platte raus. Aber von vorne: Wir schreiben Mitte der Achtzigerjahre. Ich bin jung, schon ein bisschen pubertär, ahne ein wenig, was Liebe sein kann, und beherrsche ein paar Brocken Englisch. Da kommt dies hübsche, schwarze Mädchen aus Colchester in Großbritannien und singt so herzzerreißend schön von all diesen großen Dingen, von der Liebe, von ihren Enttäuschungen, von besonderen Momenten und den ganz, ganz großen Gefühlen. Übers “stark sein” und übers “schwach sein”. “Why Can’t We Be Together”, “Smooth Operator”, “Hang On To Your Love”, “Is It A Crime”.

Das war nicht nur in meinen Augen alles ungemein großartig, intensiv, melancholisch und Pop at its best.
Helen Folasade, wie Sade bürgerlich heißt, wurde natürlich einer der großen Superstars der Epoche. Zu leugnen, dass sie auch deshalb so erfolgreich sein konnte, weil es sich bei ihr um ein ausgesprochen schönes Wesen handelt, wäre falsch verstandene Political Correctness. Aber anders als die vielen Britneys und All Saints der Neunzigerjahre war und ist sie - man darf das ruhig mal so pathetisch bis oberlehrerhaft formulieren - zuallererst immer die Musikerin, die Poetin. Sade hat auch nie den Fehler begangen zu denken, dass sie der Boulevardpresse Futter liefern muss. Was sich auf Dauer auszahlt. Die neue Sade-Platte “Lovers Rock” ist natürlich kein Bruch mit “Diamond Life”, “Promise” oder “Stronger Than Pride”. Die Themen sind die gleichen geblieben, die Musik ist immer noch das Beste, was man beim Loungen, Küssen, Weinen, Träumen oder Hemden Bügeln hören kann. Immer kitschig bis zum Umfallen, aber da stehen wir ja drauf. Wenn man mit den Begriffen spricht, die in den letzten Jahren die Runde (auch was den kommerziellen Erfolg angeht) machten, dann ist “Lovers Rock” natürlich kolossaler R’n’B, nicht der wilde, heiße Timbaland-Scheiß, aber trotzdem R’n’B. Zarter R’n’B mit ein bisschen Dub, netten Gitarren und viel Songwriting. Gerade Beats, aber keine wirklich “fetten Beats”. Sehr einfache Musik. Und natürlich ist Sade noch immer tausendmal eleganter, verführerischer und beeindruckender als die unzähligen Foxy Browns und Lil’ Kims, die tagaus, tagein bei VIVA und MTV über den Bildschirm hüpfen. Das schönste Comeback des Jahres.



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