BEWERTEN
 

The Hellacopters

»High Visbility«

[Motor]

Text: Autor unbekannt

Rock heute. Tätowierte Männer gehen zur Arbeit. Ihr Job: ein Produkt herstellen, das nachher im Supermarkt unter Fettrock zu finden sein soll. Als Hellacopters haben sich diese Männer bereits einen guten Namen gemacht, der sie mühelos in dem einen berühmten Atemzug mit Gruppen wie Turbonegro, Gluecifer etc. in Verbindung bringt. Der Kunde weiß nun, was ihn erwartet, kauft sich “High Visibility” und kehrt in der freudigen Erwartung heim, sich in der guten Stube schmalzigst produzierten Klischeerock vom Allerfeinsten um die Ohren fliegen zu lassen. Nun, mit sehr viel Fantasie könnte man sich auch durchaus in der Behauptung versteigen, dass keine Tiefkühlpizza wie die andere schmeckt, zu viele unberechenbare Faktoren treten im Werdegang des Eisbretts auf den Plan, so dass einem am Ende dieser Kette immer von einem leicht anders schmeckenden Mahl schlecht wird.

Nehmen wir den Idealfall an, dass der eben erwähnte Kunde nicht nur mit der Erwartung eines akustischen Festmahls à la Scandinavia nach Hause kehrt, sondern sich auch noch zur Feier des Tages die tiefgefrorene italienische Nationalspeise gönnt. Ein junger Mensch, der weiß, was er will, und, hurrah, er bekommt es auch: Bei den Hellacopters hat er außer dem Einsatz eines Keyboards keine beängstigenden Geschmacksveränderungen zu befürchten. Die rohen Riffs und peitschenden Soli treten an traditionell festgelegten Stellen auf. Schulbuchrock.
Demselben Liebhaber des ewig gleichen dürften die Euroboys wohl einige Enttäuschungen bereiten, warten sie doch da, wo ihre Kollegen auf bewährte Manier losrumpeln, mit geradezu philharmonischer Komplexität auf. Ein neuer Rhythmusgitarrist und der nun ständig in die Kompositionen miteinbezogene Gesang Knut Schreiners a.k.a. Euroboy tragen dazu bei, dass in der Soundmauer, die im Vorgänger “Long Flight ‘till Tomorrow” schon mit erschreckender Perfektion hochgezogen wurde, nun endgültig die letzten Löcher gefüllt worden sind. Man hat es hier mit einer Art Hochglanzrockproduktion zu tun, die den einen oder anderen Freund der Instrumentalperiode wohl überfordern dürfte. Bemerkenswert ist jedenfalls die enorme Vielschichtigkeit und Tiefe der Songs, in deren Zentrum immer noch die unverkennbare Gitarre des Bandnamensgebers steht. Klangerlebnisrock. Frisch und geheimnisvoll.



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aus Intro #79 (November 2000)
 
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