BEWERTEN
 

Thomas Gross

»Berliner Barock. Popsingles«

[Suhrkamp, 197 S., DM 18,90]

Text: Markus Weckesser

Diese Texte sind anders. Sie sind nicht für den schnellen Konsum bestimmt, auch wenn ihr Autor sie “als journalistische Fünf-Minuten-Erzählungen, konsumierbar wie Popsingles”, verstanden wissen will. Thomas Groß arbeitet nun mal auf einer anderen Baustelle. Er ist Feuilletonredakteur, und das kennzeichnet seine anspielungsreichen Besprechungen von Konzerten, Platten und Pop-Phänomenen. Der Hintergrund ist ein bildungsbürgerlicher, die Sicht eine andere. Hier schreibt jemand, der sich dem coolen Sound verweigert, der nicht mit einem Übermaß an Insiderbegriffen jongliert und sich nicht in selbstreferenzieller Sprachartistik ergeht.

Groß’ Ton ist analytisch und humorvoll. Die für dieses Bändchen ausgewählten Rezensionen stammen aus den Jahren 1993 bis 1999, die meisten wurden zuvor in der taz veröffentlicht. Die Bandbreite der verhandelten Themen reicht von Atari Teenage Riot bis Funny van Dannen. Doch trotz Titeln wie “Die Platte, die vom Himmel fiel: Prefab Sprout” oder “Rock der blutenden Herzen: Elton John” lassen sich weder überschwängliche Hymnen noch vernichtende Verrisse finden. Denn Schreiben über Pop muss nicht immer zwingend Pop sein. Angenehm.



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aus Intro #79 (November 2000)
 
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