Godspeed you black Emperor!
»Levez Vos Skinny Fists Comme Antennas To Heaven«
[Constellation / Kranky / Hausmusik / Indigo]
Text: Autor unbekannt
Es sind Platten wie diese, die einen den Glauben an seinen Beruf, ja seine Berufung als Kulturschreiberling nicht verlieren lassen. Manifeste einer im Businessalltag fast schon peripheren, leider oft belächelten „Nur die Musik zählt“-Haltung. Die Kanadier haben sich mit zwei Alben („f#a#f“ und “A Slow Riot For New Zero Kanada EP“, beide Constellation / Kranky / Hausmusik) zum hypeartig verbreiteten Mythos emporgespielt. Und gespielt ist hier wörtlich zu verstehen. Die Bedeutung der Konzerte für das Verständnis dieser Band ist eigentlich nur noch mit der bei Fugazi zu vergleichen: Godspeed kommunizieren im Club, Godspeed verkaufen (hauptächlich) im Club ihre Platten, und Godspeed interpretieren im Club, nämlich sich selbst.
Eigentlich war das Album ja für Warp angekündigt, zumindestens war in normalerweise gut unterrichteten Kreisen lange davon die Rede. Um so misstrauischer machte das stete Kopfschütteln des zuständigen Deutschland-Promoters auf die Frage, wann denn mit dem nächsten Werk zu rechnen sei: „Ich habe nichts auf meiner Release-Schedule“ - tja, jetzt weiß man warum. Integer, wie sie nun mal sind, haben sie sich für einen weiteren Verbleib bei ihren Indies (Constellation und Kranky teilen sich fair Vinyl- und CD-Release) entschieden - das Material musste einfach dort erscheinen (da es stringent am Vorgänger anknüpfe), ließen sie verlauten, danach sehe man weiter. An Angeboten mangelte es bislang nicht. Und es werden mehr werden, soviel ist nach mehrmaligem Genuss des neuen Doppelabums klar. Die auf vier Seiten (bzw. zwei CDs) verteilten vier Stücke bestehen jeweils aus mehreren Parts. Ein deutliches Zeichen, das die Band gegen die omnipräsente Kategorisierung als krautrockiger Drift-Soundtrack setzt. Natürlich wird hier gedriftet, aber im Gegensatz zum Progressive Rock der Siebzigerjahre und seinen Kindern agiert das neunköpfige Kollektiv mit einem genau Plan, was wann wie in den Sound ein- und ausgeführt wird. Die zahlreichen Soundquellen (Gitarren, Violine, Cello, Tape-Recorder, Bass, Perkussion und Sprachfetzen, Zitate) ergeben in der Kombination eine lang angelegte elegische Dramaturgie - das, was man im allgemeinen als Konzept bezeichnet, nur dass es hier nicht furztrocken und „künstlerisch wertvoll“ klingt, sondern lebendig und „künstlerisch wertvoll“.
Und hier liegt der große Unterschied: „Levez Vos Skinny Fists Comme Antennas To Heaven“ glänzt mit einigen der längsten, weitblickendsten und beeindruckendsten Spannungsbögen der Musikgeschichte. Zwischen dem ersten und letzten Ton der vier Stücke wird die Welt neu erfunden, euphorisiert, aufgewühlt: Tränen, Angst und Erlösung im Dreiklang. Godspeed kreieren keine „Heile Welt“-Atmosphäre. Hier wird gelitten, in dunklen, abgründigen Songs, deren Klangfarben uns ohne viele Worte alles erzählen. Ich leide, also bin ich. (Siehe auch Einleitung zur Titelgeschichte.) Aber sie erzählen uns nicht nur von den Tiefpunkten des Lebens. Zwischen den Tönen schimmern Nuancen von einer besseren Welt, erzählt der getragene Gestus mit einer Gänsehaut fabrizierenden Eindringlichkeit von den Möglichkeiten der individuellen Handhabe und auch von Gesellschaft, Kollektiv-Konstellationen als realen Optionen. Hier spielen uns die Streicher keine falsche Hollywood-Hoffnung vor, sondern sind ehrlich an der Waage des Lebens - auch wenn das nicht immer guttut, ist es mehr als nötig. Ein aufgewühlter
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