BEWERTEN
 

Der Krieger Und Die Kaiserin

»Deutschland 2000«

[R: Tom Tykwer; D: Franka Potente, Benno Fürmann, Joachim Król; xxxxx]

Text: Autor unbekannt

Das Kunststück, aus einem nicht gerade als spektakulär bekannten Ort wie Wuppertal eine sinnstiftende und visuell spannende Filmkulisse zu erschaffen, gelang zuletzt Wim Wenders in seinem Roadmovie “Alice in den Städten”. Zuletzt, das meint 1973. Und fast so lange ist es wohl auch her, dass sich ein deutscher Filmemacher beständig einer international gültigen wie ambitionierten Filmsprache bediente, die sich nicht auf Regionalismus beschränkte und der auch im Ausland Beachtung geschenkt wurde. Auch hier drängt sich Wenders als langatmigster Vertreter des damaligen Neuen Deutschen Kinos auf, der mit “Himmel Über Berlin” 1987 letztmals überzeugte.

Danach sehnte man sich hierzulande nach neuen Fassbinders, Schlöndorffs oder Herzogs, bekam aber nur Emmerichs und Petersens. Das Grauen kulminierte im Komödienwahn, von Ausnahmen der Regel wie “Das Leben ist eine Baustelle” (Co-Autor Tom Tykwer).
Als Tom Tykwer 1997 mit “Winterschläfer” erstmals Aufsehen erregte, keimte vage Hoffnung auf Besserung auf, die sich mit dem riesigen Erfolg von “Lola rennt” (1998) verfestigte. Tykwers neuer Film “Der Krieger und die Kaiserin”, wieder mit Franka Potente in der Hauptrolle, bringt nun Gewissheit: Hier ist ein junger Regisseur am Werk, der seinen Weg noch lange gehen wird. Das liegt weniger an der Story als solche, in der Franka Potente (als Krankenschwester Sissi in einer psychiatrischen Anstalt arbeitend) bei einem Unfall von einem seltsamen Unbekannten (Benno Fürmann) gerettet wird und sich auf die Suche nach ihm macht. Sowohl die Dialoge als auch die Figurenzeichnung wirken oft angestrengt und hölzern. Sehenswert macht den Film, neben der Kameraführung von Frank Griebe, vielmehr der Geist, der hinter allem steht. Der so viel will und Räume, Menschen und Situationen nach seinen Wünschen formt und ihnen ein Eigenleben verleiht, das sie in der Realität nicht haben. Erst so kann es geschehen, dass Wuppertal auf seine Art ebenso verführerisch aussehen kann wie sonst die Kleinstädte aus amerikanischen oder französischen Roadmovies. Das muss ein deutscher Filmemacher erst mal nachmachen.



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aus Intro #78 (Oktober 2000)
 
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