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Shellac

»1000 Hurts«

[Touch & Go / VÖ: 05.01.2007 ]

Text: Autor unbekannt
[3 Kommentare]

“1000 Smiling Knuckles Can’t Be Wrong” hieß vor langer Zeit - in jenen Tagen, als eine Gitarrenplatte aus den Staaten noch für Nervosität und Diskurs sorgte - ein Album von Skinyard, der Band des neben Albini und Butch Vig wohl einflussreichsten Produzenten der Grunge-Ära, Endino. Steve Albini legt mit Shellac nun “1000 Hurts” vor und ersetzt das Prinzip “Masse legitimiert Klasse” durch “Schläge sorgen für Akzeptanz”. Natürlich völlig willkürlich argumentiert, vielleicht aber auch nicht. Albini selbst fördert ja derartige Gedankenkonstrukte, da er es vorzieht, keine Promotion für seine Releases zu machen, und eher selten Interviews gibt.

Mit 1000 Plateaux haben sie jedenfalls nichts gemein, oder doch? Zunächst einmal 30 Sekunden lang die technischen Details: Wie und was wurde hier aufgenommen? Das “So lebe ich” des Tonträgers. Danach: Pathos im Raum. “Prayer To God”, ein nicht einmal drei Minuten langes Gebet an Gott (das erste des Protagonisten nach Jahren) mit der Bitte, ein Pärchen zu töten (“fucking kill him”). Albini ist und bleibt ein Zyniker vorm Herrn. In einem kleinen Nebensatz gibt er Gott zu verstehen, wie es vor sich gehen soll: er darf ruhig leiden, er soll heulen wie ein Weib, wobei es egal ist, wie welches ...
Shellac haben einst im Schulterschluss mit Helmet den Stop-and-go-Core erfunden – auch wenn ihre Varianten bereits damals meilenweit auseinander waren -, nur dass Shellac nicht zum Metal-Klischee mutiert sind und sich inspirationslos reproduzieren, sondern sich stets selbst zu hinterfragen scheinen, den Moment des Stoppens auch mal verlängern oder penetrierend verstärken und so die Berechenbarkeit rauben. So finden sich auf “1000 Hurts” neben vielen kurzen Stücken auch drei Fünfminüter, Songs, die größtenteils eher Jazz als Noise, eher Improvisation als Core sind, die aber nichts an Brisanz verlieren, da sie sich zwar dem Rock als Anhang zum Noise verweigern, nicht aber dem Krach. Shellac rauben sich damit die bislang sicherlich stärker als jetzt vorhandene Signifikanz, setzen mit dem gleichzeitigen Mut zu Distortion und Leichtigkeit aber auch Akzente für einen freien Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Nicht umsonst heißt ein Stück “Song Against Itself”.
Bitte aufstehen, verbeugen und einer der wenigen Noise-Bands huldigen, die noch ein stringentes Konzept in ihrem Tun zu haben scheint.



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  • User: delirix
  • delirix 11.10.2001 | 19:37:24

    hab mir ehrlich gesagt ein wenig mehr erwartet...sind mir irgendwie doch ein wenig zu brav geraten die brüder,unberechenbarkeit hin oder her.ein gutes album mit richtig tollen momenten,aber auch einigen nervigen passagen...das können sie besser!

  • Gyroscope 11.10.2001 | 21:56:05

    Nix da, die Platte ist vom allerfeinsten ;)
    Klar, im ganzen etwas ruhiger und eingängiger, aber deshalb nicht weniger bissig. Gerade weil sie nicht so offensichtlich quertreibt wie die Vorgängeralben muss man sich etwas reinhören, aber dann sind bis auf "New Number Order" eigentlich nur erstklassige Stücke drauf und das Album läuft bei mir auch nach Monaten noch rauf und runter.

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