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CALEXICO featuring MARIACHIS LUZ DE LUNA

»Die Wüste lebt – und wie«

[29.06. - Hamburg, Fabrik]

Text: Autor unbekannt

Wir kennen die beiden Rhythmusarchitekten John Convertino und Joey Burns von allerlei Spielgruppen: zuerst einmal als Taktgeber von Giant Sand, der Band der einsamen Wüstenseele Howe Gelb, daneben waren sie als Friends Of Dean Martinez zusammen mit Bill Elm unterwegs oder werkelten gemeinsam mit Lisa Germano am Projekt OP8. An diesem kühlen Tag betritt das unzertrennliche Duo als Calexico die Bühne der Hamburger Fabrik.
Vorerst allein gelassen von ihren Freunden, bewegen die beiden versierten Improvisatoren bedächtig langsam ihren staubtrockenen Klangkorpus vorwärts. Fast, als seien sie völlig erschöpft von einer langen Reise durch die heißeste Wüste, schieben sie ihre Stücke im Zeitlupentempo voran.

Selbstvergessen. Schleppend. „Hey baby, get my soul.“ Doch bald gibt es ein erstes Aufbäumen gegen die verzehrende Gemächlichkeit: angedeutete, eruptive Ausbrüche bahnen sich den Weg. Und sogleich gesellen sich Mitspieler hinzu: als erstes wird der Bass gezupft, dann erklingt eine Trompete, später eine Geige, und es entsteht immer stärker das, weshalb die Menschen in die Fabrik gekommen sind: Lo-fi-Americana vor einer Mariachi-Kulisse. Darin eingebunden: Jazz, Ambient, Folk und Musette - eine extravagant-elegante Mischung zum Tanzen, zum wohl Fühlen.
Die mexikanische Tanzhalle haben Convertino und Burns bei alldem fest im Sinn. Zunächst wagen sie allerdings nur einen vorsichtigen Blick ins Innere. Erst mit den Sombreroträgern von Mariachis Luz De Luna schleichen sie sich hinein. Jetzt schnell die Tanztreter übergestreift, um sich bewegen zu können - ausgelassen, impulsiv. Die Zuschauer folgen dem ausgebreiteten Soundtrack, verlassen die reale Welt, träumen und tanzen sich weit weg. Als später das Licht angeht, will niemand erwachen. Der Jubel hört nicht auf, denn keiner will wieder ins triste, miefige Hamburg hinaus. Nein, dem Traum der mexikanisch-amerikanischen Wüste, der Lebendigkeit, der Ausgelassenheit wollen alle 750 Anwesenden weiter nachhängen. Aber irgendwann ist der Zeitpunkt des Aufwachens gekommen. Eins bleibt jedoch im Kopf zurück: nach dem Abend wissen wir genauer, wer Fellbearbeiter John Convertino und Saitenzupfer Joey Burns sind: zwei leidenschaftliche Musiker ohne stilistische Grenzen.



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aus Intro #77 (September 2000)
 
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