CALEXICO featuring MARIACHIS LUZ DE LUNA
»Die Wüste lebt – und wie«
Text: Autor unbekannt
Wir kennen die beiden Rhythmusarchitekten John Convertino und Joey Burns von allerlei Spielgruppen: zuerst einmal als Taktgeber von Giant Sand, der Band der einsamen Wüstenseele Howe Gelb, daneben waren sie als Friends Of Dean Martinez zusammen mit Bill Elm unterwegs oder werkelten gemeinsam mit Lisa Germano am Projekt OP8. An diesem kühlen Tag betritt das unzertrennliche Duo als Calexico die Bühne der Hamburger Fabrik.
Vorerst allein gelassen von ihren Freunden, bewegen die beiden versierten Improvisatoren bedächtig langsam ihren staubtrockenen Klangkorpus vorwärts. Fast, als seien sie völlig erschöpft von einer langen Reise durch die heißeste Wüste, schieben sie ihre Stücke im Zeitlupentempo voran.
Die mexikanische Tanzhalle haben Convertino und Burns bei alldem fest im Sinn. Zunächst wagen sie allerdings nur einen vorsichtigen Blick ins Innere. Erst mit den Sombreroträgern von Mariachis Luz De Luna schleichen sie sich hinein. Jetzt schnell die Tanztreter übergestreift, um sich bewegen zu können - ausgelassen, impulsiv. Die Zuschauer folgen dem ausgebreiteten Soundtrack, verlassen die reale Welt, träumen und tanzen sich weit weg. Als später das Licht angeht, will niemand erwachen. Der Jubel hört nicht auf, denn keiner will wieder ins triste, miefige Hamburg hinaus. Nein, dem Traum der mexikanisch-amerikanischen Wüste, der Lebendigkeit, der Ausgelassenheit wollen alle 750 Anwesenden weiter nachhängen. Aber irgendwann ist der Zeitpunkt des Aufwachens gekommen. Eins bleibt jedoch im Kopf zurück: nach dem Abend wissen wir genauer, wer Fellbearbeiter John Convertino und Saitenzupfer Joey Burns sind: zwei leidenschaftliche Musiker ohne stilistische Grenzen.
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