BEWERTEN
 

Go-Betweens

»The Friends Of Rachel Worth«

[Clearspot / EFA / VÖ: 15.09.2000 ]

Text: Autor unbekannt

Die Go-Betweens gehörten zum Inventar meiner Jugend. Mit Songs wie “The Wrong Road” oder “Bow Down” personifizierten Robert Forster und Grant McLennan damals für mich die Möglichkeit, persönlichste Erfahrungen in Musik wiederzugeben. Dass sich die beiden nach dem Ende der Band weiterentwickelt haben, weiß man von ihren Solo-Arbeiten. Die neue Go-Betweens ist für alle Fans ein Fest, weil sie auf dem Hintergrund der alten LPs gut funktioniert. Wie aber für Erstkonsumenten die CD beschreiben, ohne die Empfehlung auszusprechen, erst mal was von “den alten Sachen” zu hören? Als Newcomer würden die beiden Herren bei mir heute glatt durchfallen.

Durch den Songwriterboom der 90er ist ihre Musik heute nichts “Besonderes” mehr, so wie sie es in den 80ern war. Trotzdem ist ein neuer Song wie “The Clock” ein Hit, das aber größtenteils nur durch Sleater-Kinneys Mitwirkung. Apropos Gastmusiker: an einigen Stellen lassen sie die alten MitstreiterInnen vergessen, das aber nicht durchgehend. Die Magie der “alten” Go-Betweens resultierte zu einem großen Teil aus dem Zusammenspiel der Band. Die neue CD klingt, als hätten sie sich nicht entscheiden können, ob sie den alten Go-Betweens Leben einhauchen oder doch etwas Neues machen wollten. RALF BEI DER KELLENDass, bei aller Prägnanz der Songschreibe von Robert Forster und Grant McLennan, ein nahtloser Anschluss an die früheren Go-Betweens - wie auch immer - unmöglich ist, liegt auf der Hand. Dass man einer solchen Erwartungshaltung dennoch aufsitzen kann, auch, bedenkt man die erhebliche emotionale Integrationskraft, die die Go-Betweens in ihrer großen Zeit aussandten. Herzensbildung lautet das Schlüsselwort, und die Art der Verbindung zu den Liedern der Go-Betweens war immer eine persönliche, mehr noch: eine private. Lässt man das Stadium enttäuschter Erwartung hinter sich, begegnet man einer gut überdachten, exzellent in Szene gesetzten und außerordentlich geschlossenen Go-Betweens-Platte. Die natürlich auch und doch eine archetypische ist. Der groteske Eindruck eines Forster/McLennan-Split-Soloalbums, der sich anfänglich einstellen will, verflüchtigt sich umgehend beim ersten klassischen Riff, bei den ersten Takten Indie-Rock’n’Roll, spätestens aber nachdem man das Album zur Gänze gehört hat. Die bewusste Furchtlosigkeit von “Send Me A Lullaby” geht ihr ebenso ab wie das genialisch Unmittelbare an “Liberty Belle”, und auch von der poetischen Brisanz, mit der “Before Hollywood” uns ins Gesicht sprang, lebt sie nicht. “Rachel Worth” ist ein reifes Mädchen, das einigermaßen mit sich im Reinen ist und, was das Hadern und den Zweifel angeht, keinen Hehl daraus machen muss, um heutzutage die Balance bewahren zu können. Schwerlich ein Lieblingsalbum, aber doch eins, das dich nicht weniger lieb hat als dein ganz persönliches Go-Betweens-Lieblingsalbum. ROLF JÄGER



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