BEWERTEN
 

The Step Kings

»Let's Get It On«

[Roadrunner / VÖ: 13.06.2000 ]

Text: Autor unbekannt

Lang verflossen sind die Zeiten, in der es im Bekanntenkreis nicht unüblich war, wenig üppige Barschaften dergestalt flugs in Tonträger umzusetzen, dass beim Durchkramen von Zweithandläden - sollte doch die fehlende Kenntnis vieler Bands dem Erwerb nicht im Wege stehen - in Gruß- und Dankeslisten auf Covern oder Inlets nach Anhaltspunkten Ausschau gehalten wurde. Oft half diese Institution Dankesliste, ein absolutes Muss in Metall und Core; nur ärgerlich, wenn irgendeine Bollerkapelle mit Fug und Recht angesehenen Szenegestalten (NoMeansNo? Voivod? Brutal Truth?) Respekt bekundete und auf dem gutgläubig erstandenen Werk dann eben bollerte, weil sie es nun einmal nicht anders konnte und weil vom guten Geschmack und ebensolchen Vorsätzen auch keiner satt oder gar timingfest wird.

Mit den New Yorkern Step Kings wäre uns das nicht passiert. Standesgemäß praisen sie alles, was in Big Apple von Rang und Namen war oder ist, von Biohazard bis zu den feinen Candiria, vom alten Reaktionär Billy Milano bis zu seinen Gesinnungsgenossen in Type O und noch etwa fünfzig anderen Bünden. Lediglich Quicksand wurden übergangen, dies überraschenderweise, denn deren musikalischer Einfluss schreit uns hier am deutlichsten entgegen. Folgerichtig stehen die Zeichen auf wohlig groovenden Moshcore, wuchtproduziert in den 00ern, gehüllt im rockigen Gewand der alten Dame Hardcore mit wohl dosierter Wut und mit dem Genre nicht eben eigenen vollmundigen Gesang. Zudem fließen liebevoll, und das freut besonders, bald hier, bald dort Melodien ein. Bemerkenswert ist wieder einmal die Privatisierung vormals gesellschaftsbezogener Reflexion, welche Hardcore respektive die transportierten Texte durchaus eine Strecke lang auszeichnete. Der Sound wird immer wuchtiger, die Mitteilung immer persönlicher, wissen wollen will keiner nicht. Stattdessen Stereotype galore: angedeutete Brutalität beim Zwischenmenscheln oder plakative Hörigkeit in allerprivatesten Sphären – nicht dass das neu, zu bedauern oder gar den Step Kings vorzuwerfen wäre; es sind allerdings schon seltsame Blüten, welche der Hardcore so treibt. Was immer wieder dann auffällt, wenn man mal wieder so ein Elaborat in die Hände bekommt. Töfte Platte.



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