BEWERTEN
 

Pitchshifter

»Deviant«

[MCA / VÖ: 02.10.2000 ]

Text: Autor unbekannt

Gute Zeiten ist das nun schon her, in der auf dem britischen Earache-Label motivierte Obskurlinge daran gingen, den geliebten und zuweilen ohne eigenes Verschulden fehlgeleiteten Metal an das aufkommende Programming anzupassen und so wunderschöne Momente im gelobten Land zwischen Industrial, Noise und Heavygeriffe zu zelebrieren. Pitchshifter, die Älteren werden sich erinnern, mischten da an vorderster Front mit. Sonderlich gerechnet wird sich das Treiben ob seiner Sperrigkeit – remember “Desensitized” - wohl nicht haben, wiewohl es Epigonen, welche umsatzsteigernderweise der Schroffheit abschworen, in dieser Spielart noch zu einiger Popularität bringen sollten.

Überhaupt verlor das Genre alsbald in fast schon beängstigender Schnelligkeit an kreativer Brisanz. Ein Urteil, welches zu revidieren auch Pitchshifters neues Werk nicht nötigt. Die könnten aus dieser Situation – ich bewege mich hier im Reich der reinen Mutmaßung – den Schluss gezogen haben, sich nicht mit dem unvergänglichen Gründermythos einzurichten, sondern neue musikalische Urständ zu inszenieren und die Öffnung auf eingängiges Terrain zu vollziehen. Was man Aktualisierung heißen kann - wie auch Anpassertum - und dem Vernehmen nach schon mit dem letzten Werk eingeläutet wurde, erfährt mit “Deviant” eine konsequente Fortsetzung. Freunde von Killing Joke, Prongaddicts und wie all die anderen, die mittlerweile mächtig unter die Räder gekommen sind, heißen, aufgepasst: Pitchshifter lassen es mit einem äußerst zugänglichen Fazit ihres bisherigen Schaffens in eurem Sinne mächtig krachen. Dazu trägt insbesondere John Stanier bei, hat doch gerade dessen bis dato unorthodoxes Getrommel auf Platten wie “Meantime” und “Betty” dafür gesorgt, dass der Name Helmet für stilprägenden Tanzbodengroove stand. Sein Tun ergänzt sich hier formidabel mit den ansonsten programmierten bpms. Wenn sich dann noch Jello Biafra in bekannt liebenswerter Manier über sein und der Pitchshifter Leib- und Magengericht Medienmanipulation auslässt (“As Seen On TV”), ist spätestens klar, dass hier Lob ansteht.



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