BEWERTEN
 

Chris Whitley

»Perfect Day«

[Ulftone / Edel Contraire / VÖ: 24.07.2000 ]

Text: Autor unbekannt

Wann dieser Mann noch Zeit gefunden hat, ein Album aufzunehmen, kann man sich fragen, hat er doch in den vergangenen zwei Jahren x Mal den Globus umrundet. Vielleicht ist das aber auch ein Symptom dafür, dass Chris Whitley in seiner Musik und durch sie lebt. Keines seiner bisher fünf Alben legt diese Möglichkeit näher als gerade dieses, “Perfect Day”, benannt nach dem Lou Reed-Klassiker, und, ja, ein Album mit ausschließlich Coverversionen. Eine Tatsache, die Whitleys persönlichen Umgang mit der ganz und gar un-exotischen Song-Auswahl fast vergessen macht, sie sich zu Eigen macht und aus sich sprechen lässt. Wenn er sich einer potenziellen Angstpartie wie Jimi Hendrix’ “Drifting” nähert, gewinnt er dem wie selbstverständlich neue Aspekte ab, und zumindest nicht ganz und gar unvorstellbar ist es, Jim Morrison himself vor Whitleys Version des Doors-Klassikers “Crystal Ship” in die Knie gehen zu sehen.

Ganz selbstverständlich lässt dieser im Titeltrack die beabsichtigte Ambivalenz aus lieblicher Musik und frösteln machender textlicher Aussage von Reeds Original ineinander fließen, so dass eigentlich ein ganz neues Lied entsteht. Produziert von Craig Street (u. a. Cassandra Wilson, k.d. lang), eingespielt mit Drummer Billy Martin und Kontrabassist Chris Wood (Medeski, Martin & Wood), schält sich aus den minimal gehaltenen Arrangements wieder und wieder Whitleys exzellente Stimme heraus; ein Soulsänger von enormer Ausdruckskraft und Wandlungsfähigkeit, der sich niemals verliert und gegenwärtig seinesgleichen sucht. Vergeblich.



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